Ehret den Oberlehrer!
Der Monolog, das große Solo, ist die Königsdisziplin für Schauspieler. Einmal allein vor dem Publikum stehen und so tun, als wäre es nicht da: allein sein mit dem Text, versinken in das Sprachmaterial, aufgehen in innerer Erfahrung.
Der New Yorker Schauspieler Harvey Keitel, bekannt aus Filmen von Martin Scorsese bis Quentin Tarantino, bekommt dieses große Solo in einer Arbeit des Künstlers James Coleman, die bei der documenta 12 in Kassel ungewöhnlich prominent inszeniert ist: «Retake with Evidence» ist ein dreiviertelstündiger Film, für den ein großer Raum in der Neuen Galerie in Kassel vollständig leergeräumt und mit Teppichboden ausgelegt wurde. Nur der Film auf der Leinwand und die Stimme aus dem Lautsprecher sind im Raum, dazu die Zuschauer, die meistens an den Wänden stehenbleiben oder es sich, so gut es geht, auf dem Boden bequem machen. Es ist nicht ganz leicht herauszufinden, worum es in «Retake with Evidence» geht: Keitel steht in diesem Film seinerseits in einem großen leeren Raum und spricht einen Text, der sehr bedeutungsvoll klingt, aber nie so richtig zusammenhängend wird. Gelegentlich sind Kulissen und Requisiten in dem weiten Raum zu sehen, eine Panorama-Ansicht von einem Museum mit Altertümern oder zwei Löwenstatuen. Es scheint, als wäre Keitel ein Robinson der Kunst- und Kulturgeschichte, ausgesetzt in einer White Box, in der nur noch ein paar Bühnenbilder aus einer alten Zeit herumstehen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2007
Rubrik: Kunst, Bühne & Videotapes, Seite 20
von Bert Rebhandl
Rimini Protokoll erfindet Theater neu, so könnte man beginnen, wenn man eingeladen ist, als Experte ein großes Lob auf die Preisträger der 32. Mülheimer Theatertage anzustimmen. Und in der Einladung von Experten und ihrer Einbindung in den Rimini-Kontext sind sie erfahren. So versucht der Experte, den Widerspruch aufzulösen, dass «Das Kapital, Erster Band» von...
Alles Lebensglück der Buddenbrooks wurzelt in ihren Bilanzen; und die sehen schlecht aus. Von einstmals 900.000 Vermögen sind der Lübecker Kaufmannsfamilie in der dritten Generation noch 750.000 geblieben. Es hätte längst «eine Million» sein sollen, erinnert Stammhalter Thomas Buddenbrook an das merkantile Wachstumsversprechen der Seinen, während er selbst zum...
Freiburg ist wieder wer. Zumindest in der deutschen Theaterlandschaft. Nach dem Neustart mit Amélie Niermeyer, deren Kreativität und Kraft zuletzt immer unübersehbarer in einem überhitzten Haushaltsstreit mit der Stadtverwaltung verschlissen wurden, hat Intendantin Barbara Mundel in ihrer ersten Spielzeit den Spagat zwischen Kunst und Politik gemeistert: Ihr Haus...
