E sagt

«Schatten – Euridyke sagt», Elfriede Jelineks Perspektivwechsel auf den Orpheus-Mythos, erstaufgeführt in der Essener Philharmonie

Theater heute - Logo

Kein zweiter Mythos der Menschheitsgeschichte bringt Liebe, Tod und Kunst zwingender zusammen als die Geschichte von Orpheus und Eurydike, dem Göttersohn und der Nymphe.

Ovid hat sie in seinen «Metamorphosen» beschrieben, sie ist x-mal vertont, dutzendfach nacherzählt worden: Wie Eurydike, die geliebte Frau des gefeierten Sängers und Leierspielers Orpheus nach dem Biss einer Schlange im Hades verschwindet, der untröstliche Gatte ihr hinterhereilt und mit der unbezwingbaren Schönheit seiner Stimme die Hüter des Schattenreichs dazu bewegt, die Tote mit ihm zurückkehren zu lassen ins Land der Lebenden. Unter einer Bedingung: Keinen Blick darf er werfen auf die Geliebte, bis die Rückkehr aus der Unterwelt vollzogen ist. Doch Orpheus wendet den Blick, und Eurydike sinkt zurück ins Totenreich.

Von Angst und Kleidern besessen

Schon 1986 hat Klaus Theweleit die Mythenfolie zum Anlass genommen, ketzerisch über den Mythos der großen Liebe und ihre künstlerische Verwertung nachzudenken. Im «Buch der Könige – Orpheus (und) Eurydike» spürte er u.a. Benn und Brecht, Hamsun, Ezra Pound und Monteverdi als narzisstischen Künstlerpersönlichkeiten nach, die ihre Frauen opferten fürs Werk, ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 24
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Kopf hoch, barfuß, offen

Die Vergabe des hochkarätigen Ibsen-Preises an Heiner Goebbels ist auch Indiz für die besondere Beziehung des norwegischen Theaters zu deutschen Bühnenexperimenten. Ein neuer Schub der Einflussgeschichte seit etwa 2000 – von Volks- und Schaubühne bis zu Gastregisseuren wie Armin Petras und Sebastian Hartmann – war offenbar so prägend, dass es kaum überrascht, nun...

Schmerzdame

Das erste Lothar-Gesicht, an das ich mich heute noch genau erinnere, gehört der gut zwanzigjährigen Suse. Sie spielt in Tankred Dorsts «Eisenhans» (1983) die behinderte Marga, die von ihrem Vater geliebt und miss­braucht wird. Ein fatales Familiendrama aus dem Frankenwald, mit allen inzwischen aus Soaps und Reality-TV geläufigen, damals jedoch noch verstörenden...

Zum Tod von Maria Becker

Maria Becker, links als Elisabeth in «Maria Stuart» 1986, war eine «Königin im Formenreich», so der Kritiker Gerhard Stadelmaier: «Die Formen, die sie unnachahmlich herstellte, wurden ihr eigentlich mehr zu Partnern als die jeweiligen Kollegen, mit denen sie auftrat.

Es ging ihr, der herb Schönen, der mokant Unnahbaren, szenisch nichts wirklich nahe.» Man hat sie...