Durchlässig werden

Kolumne: Über die Kunst, leise missverstanden zu werden

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Schön, dass Sie hier sind. Ich bin’s auch – noch. Vielleicht sind wir beide gerade auf dem Weg, etwas zu verstehen. Oder einfach ein paar Sätze lang gemeinsam zu denken. Ohne Fazit. Fazitfrei quasi.

Eigentlich wollte ich heute über Kritik schreiben. Aber sobald ich das Wort denke, höre ich es knacken – mitten in der Stirn. Kritik klingt nach Schule, Bewertung, roten Korrekturen. Und nach jemandem, der es besser weiß. Dabei ist sie oft nur eine Meinung mit Haltung, eine von vielen, wenn man auf dem Weg ist. Man gewöhnt sich daran.

Die meisten Reaktionen sind sowieso eher wie Wetter. Ein Windstoß hier, eine warme Böe dort, selten wolkenlos. Und manchmal stehen Leute ratlos im Schneeregen und rufen: «Zu poppig!» oder «Zu digital!», als hätte ich einen Farbfilter über ihre Sehgewohnheiten gelegt. Oder sie sagen: «Das ist doch nur Oberfläche.» Als gäbe es da nichts zu fühlen, bloß weil es glänzt.

Neulich schrieb mir jemand, meine Arbeit erinnere an «fette schwarzgelbe Hummeln, die einem vor den Augen herumschwirren und alles verdecken». Ich musste lachen. Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis: in der Bewegung keine Tiefe zu erkennen. Dabei ist die Oberfläche manchmal einfach ...

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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Emre Akal

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