Durchlässig werden
Schön, dass Sie hier sind. Ich bin’s auch – noch. Vielleicht sind wir beide gerade auf dem Weg, etwas zu verstehen. Oder einfach ein paar Sätze lang gemeinsam zu denken. Ohne Fazit. Fazitfrei quasi.
Eigentlich wollte ich heute über Kritik schreiben. Aber sobald ich das Wort denke, höre ich es knacken – mitten in der Stirn. Kritik klingt nach Schule, Bewertung, roten Korrekturen. Und nach jemandem, der es besser weiß. Dabei ist sie oft nur eine Meinung mit Haltung, eine von vielen, wenn man auf dem Weg ist. Man gewöhnt sich daran.
Die meisten Reaktionen sind sowieso eher wie Wetter. Ein Windstoß hier, eine warme Böe dort, selten wolkenlos. Und manchmal stehen Leute ratlos im Schneeregen und rufen: «Zu poppig!» oder «Zu digital!», als hätte ich einen Farbfilter über ihre Sehgewohnheiten gelegt. Oder sie sagen: «Das ist doch nur Oberfläche.» Als gäbe es da nichts zu fühlen, bloß weil es glänzt.
Neulich schrieb mir jemand, meine Arbeit erinnere an «fette schwarzgelbe Hummeln, die einem vor den Augen herumschwirren und alles verdecken». Ich musste lachen. Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis: in der Bewegung keine Tiefe zu erkennen. Dabei ist die Oberfläche manchmal einfach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Emre Akal
Angeblich habe sich Bertolt Brecht bei der Konzeption des Epischen Theaters vom antinaturalistischen Gestus der Peking-Oper inspirieren lassen. Yida Guo, in China geborener aber seit längerem in Hamburg lebender Regisseur, nimmt dieses Gerücht im Programmheft von «Der gute Mensch von Sezuan» in der Werkstattbühne der Thalia-Außenstelle Gaußstraße auf, allerdings...
Alles ganz schön eng hier. Die Stuhlreihen für die Zuschauer, der Denkhorizont im Dorf, das Hundegeschirr, die Fluchtwegschluchten. Umhegt wird die Enge von Maschendrahtzaun, mindestens mannshoch, die Gittertüren scheppern im Geviert. Ein Land wie ein Zwinger, raus oder rein geht’s niemals unkontrolliert.
Andererseits: Alles ganz schön clean hier. Die beiden...
In der schwarzen Weite der Bühne sprechen Menschen in braungrauen 1960er-Jahre-Kostümen, die Haare hochtoupiert, aufgeregt in ihre Mikrofone. Ein neuer Planet wurde entdeckt, bedeckt von einem Plasma-Ozean, dem die Forscher:innen Intelligenz zusprechen: Solaris. Und die Menschheit sucht, einmal mehr, Hoffnung im All. Denn was versprach in den 1960er Jahren mehr...
