Oben und unten
Angeblich habe sich Bertolt Brecht bei der Konzeption des Epischen Theaters vom antinaturalistischen Gestus der Peking-Oper inspirieren lassen. Yida Guo, in China geborener aber seit längerem in Hamburg lebender Regisseur, nimmt dieses Gerücht im Programmheft von «Der gute Mensch von Sezuan» in der Werkstattbühne der Thalia-Außenstelle Gaußstraße auf, allerdings erwähnt er auch seinen esoterischen Gehalt. Im Grunde ist das aber auch nicht wichtig, weil der undogmatische Mix von Einflüssen den Regisseur viel stärker interessiert als diesen Einflüssen genau nachzuspüren.
Seine Inszenierung wirkt auf den ersten Blick werktreu, mit Elementen wie dem klassischen Brecht-Vorhang, mit V-Effekt und Publikumsansprache. Aber gleichzeitig leistet sie sich einen Zug ins Exotische, mit aus europäischer Perspektive «chinesisch» wirkenden Choreografien, die einen Waren- und Geldaustausch andeuten. Was an diesen Choreografien aber tatsächlich authentische Übernahme einer fremden Theaterkultur ist, bleibt unklar: Ein Spezialist für die Peking-Oper sei er jedenfalls nicht, erklärt Yida Guo, sein Zugriff sei stattdessen der des Epischen Theaters, in dem der Schauspieler die «soziale Geste der Figur» ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber
Was ist das denn? Keine Personenangabe. Keine Orts- und Zeitangabe. Stattdessen eine 4-Spalten-Tabelle mit Nummerierungen von 1 bis 241 – und das gleich zwei Mal: Eben «2×241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger» von der Frankfurter Hauptschule. Und zwei Regieanweisungen: «Gesprochen» steht über der einen Spalte, «Projiziert» über der anderen.
Ein paar...
Bitte anschnallen, gleich geht’s los! – Ein Krachen, Fauchen und Rumpeln wie in der Geisterbahn verheißt, dass es gleich ungemütlich werden soll, aufregend und bedrohlich. Begegnungen mit bösen Gespenstern aus Vergangenheit und Zukunft sind zu erwarten.
Mitten in den gediegenen Bronzerahmen des Jugendstilportals der Münchner Kammerspiele hat das Künstlerduo Mehmet...
Bevor sich der Vorhang hebt, ist das ganze Theater angefüllt mit Stimmen aus Lautsprechern in allen Winkeln und Ecken des Raumes: Sprachund Wortfetzen, falsche Aussprache, Korrekturen, Nervositäten. Gleich soll es vorne auf der Bühne um jene «Eliza» gehen, die wir aus George Bernard Shaws «Pygmalion» kennen, wenn nicht eher noch aus dem Musical «My fair Lady». Aus...
