Oben und unten
Angeblich habe sich Bertolt Brecht bei der Konzeption des Epischen Theaters vom antinaturalistischen Gestus der Peking-Oper inspirieren lassen. Yida Guo, in China geborener aber seit längerem in Hamburg lebender Regisseur, nimmt dieses Gerücht im Programmheft von «Der gute Mensch von Sezuan» in der Werkstattbühne der Thalia-Außenstelle Gaußstraße auf, allerdings erwähnt er auch seinen esoterischen Gehalt. Im Grunde ist das aber auch nicht wichtig, weil der undogmatische Mix von Einflüssen den Regisseur viel stärker interessiert als diesen Einflüssen genau nachzuspüren.
Seine Inszenierung wirkt auf den ersten Blick werktreu, mit Elementen wie dem klassischen Brecht-Vorhang, mit V-Effekt und Publikumsansprache. Aber gleichzeitig leistet sie sich einen Zug ins Exotische, mit aus europäischer Perspektive «chinesisch» wirkenden Choreografien, die einen Waren- und Geldaustausch andeuten. Was an diesen Choreografien aber tatsächlich authentische Übernahme einer fremden Theaterkultur ist, bleibt unklar: Ein Spezialist für die Peking-Oper sei er jedenfalls nicht, erklärt Yida Guo, sein Zugriff sei stattdessen der des Epischen Theaters, in dem der Schauspieler die «soziale Geste der Figur» ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber
WWW.3SAT.DE
bis Mai 2026, Starke Stücke/ Theatertreffen:
Bernarda Albas Haus
Mitschnitt des Stücks von Alice Birch nach Federico García Lorca vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg in der Regie von Katie Mitchell
Die Gewehre der Frau Carrar/ Würgendes Blei
Mitschnitt der Inszenierung nach Bertolt Brecht und Björn SC Deigner in der Regie von Luise Voigt aus dem...
Eine fahle Projektion auf dem schwarzen Bühnenvorhang im Akademietheater verrät es vorab: In «Die Wurzel aus Sein» schreibt Autor Wajdi Mouawad über sich selbst. Gleichwohl entwirft das Stück des 1968 im Libanon geborenen Kanadiers eine besondere Variation des Genres Autofiktion: Mouawad schildert nicht, wie sein Leben war, sondern wie es hätte sein können.
Da...
Arbeitet euch nicht an Wagner ab», schreibt Caren Jeß in ihrem Stück «Die Walküren», «arbeitet euch an eurer Rezeption ab.» Okay, wird gemacht. Ein besonders interessantes Beispiel für die Irrwege der Richard-Wagner-Rezeption ist die «Gruppe Wagner», ein privates Militär- und Sicherheitsunternehmen, das 2014 von den russischen Unternehmern Jewgeni Prigoschin und...
