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Bertolt Brecht «Der gute Mensch von Sezuan» am Thalia in der Gaußstraße Hamburg

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Angeblich habe sich Bertolt Brecht bei der Konzeption des Epischen Theaters vom antinaturalistischen Gestus der Peking-Oper inspirieren lassen. Yida Guo, in China geborener aber seit längerem in Hamburg lebender Regisseur, nimmt dieses Gerücht im Programmheft von «Der gute Mensch von Sezuan» in der Werkstattbühne der Thalia-Außenstelle Gaußstraße auf, allerdings erwähnt er auch seinen esoterischen Gehalt. Im Grunde ist das aber auch nicht wichtig, weil der undogmatische Mix von Einflüssen den Regisseur viel stärker interessiert als diesen Einflüssen genau nachzuspüren.

Seine Inszenierung wirkt auf den ersten Blick werktreu, mit Elementen wie dem klassischen Brecht-Vorhang, mit V-Effekt und Publikumsansprache. Aber gleichzeitig leistet sie sich einen Zug ins Exotische, mit aus europäischer Perspektive «chinesisch» wirkenden Choreografien, die einen Waren- und Geldaustausch andeuten. Was an diesen Choreografien aber tatsächlich authentische Übernahme einer fremden Theaterkultur ist, bleibt unklar: Ein Spezialist für die Peking-Oper sei er jedenfalls nicht, erklärt Yida Guo, sein Zugriff sei stattdessen der des Epischen Theaters, in dem der Schauspieler die «soziale Geste der Figur» ...

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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber

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