Im Zwinger

Anaïs Clerc «Schimmernde Schluchten» (U) im Vidmar 2 Bern

Theater heute - Logo

Alles ganz schön eng hier. Die Stuhlreihen für die Zuschauer, der Denkhorizont im Dorf, das Hundegeschirr, die Fluchtwegschluchten. Umhegt wird die Enge von Maschendrahtzaun, mindestens mannshoch, die Gittertüren scheppern im Geviert. Ein Land wie ein Zwinger, raus oder rein geht’s niemals unkontrolliert.

Andererseits: Alles ganz schön clean hier.

Die beiden Granitplattenpodeste, die Ausstatterin Kristin Buddenberg mitten in die intime Nebenbühnenarena der Berner Vidmarhallen geschichtet hat, sind oberfächenblank poliert, und sollte sich ein Fleck zeigen, zum Beispiel auf dem fetten Fahnenpfosten, der aus dem Podest stakt, dann spuckt Armin im hohen Bogen drauf und wienert das Metall. Als gäbe es für ihn noch etwas zu gewinnen in diesem niemals ausgelobten, aber oft befeuerten Mentalitätswettbewerb mit dem einen Ziel: Unsere Schweiz muss sauber bleiben.

«Schimmernde Schluchten» heißt das Stück, Anaïs Clerc die Autorin. Die 33-Jährige war 2023/24 Hausautorin am Schauspiel Bern, sie hat ihren Stoff lose an einen Fall aus ihrem bilingualen Heimatkanton Fribourg geknüpft. Vor Jahren wurde dort auf dem Land ein Internat in ein Bundesasylzentrum umgewandelt. Ortsansässige entzündeten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Popkultureller Stillstand

Hinten ein üppig gedeckter Tisch mit Kerzenleuchtern und Sektgläsern, vorne tanzen die drei Schwestern mit den Offizieren zu «Moskau» von Dschingis Khan. Als deutscher Schlager klingt Irinas ewiges Mantra «Nach Moskau» so vertraut wie fremd. Für die jüngste der drei Töchter des kürzlich verstorbenen Brigadegenerals ist Moskau gleichwohl ein Sehnsuchtsort – für...

Transformative Utopie

Am Ende fällt dann alles buchstäblich aus dem Rahmen oder vielmehr vor den Rahmen. Einen solchen hat Nadja Sofie Eiler nämlich auf die große Bühne des neuen theaters in Halle gebaut und in ihn hinein eine große Küche mit freistehender Arbeitsfläche. Im Hintergrund ein paar Fenster, rechts steht der Kühlschrank, in der hinteren linken Ecke der Herd und vorne ein...

Oben und unten

Angeblich habe sich Bertolt Brecht bei der Konzeption des Epischen Theaters vom antinaturalistischen Gestus der Peking-Oper inspirieren lassen. Yida Guo, in China geborener aber seit längerem in Hamburg lebender Regisseur, nimmt dieses Gerücht im Programmheft von «Der gute Mensch von Sezuan» in der Werkstattbühne der Thalia-Außenstelle Gaußstraße auf, allerdings...