Durch den Krieg schreiben
Muss man in Kriegszeiten Stücke über den Krieg schreiben oder lesen oder auf die Bühne bringen? Ist es überhaupt möglich, und welchen Nutzen könnte es haben? Lässt sich ästhetisch fassen, was gerade vorgeht? Und wenn Zuschauer: -innen es hierzulande im Theater betrachten, was könnte der Gewinn sein? Wer will das sehen? Und andererseits – wer stellt (sich) diese Fragen? Wer kann sich solche Fragen leisten? Von Wladimir Majakowski (und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob Natalia Vorozhbyt mit dieser Referenz einverstanden wäre) stammt der Satz: «Man kann nicht über den Krieg sc
hreiben, man muss aber durch den Krieg schreiben.» Bei allen ästhetischen Schwierigkeiten, adäquat über etwas zu schreiben, das sich der Beschreibung immer wieder und vielleicht sogar grundsätzlich entzieht, so ließe sich das übersetzen, ist die Anerkennung des Kriegszustandes die Voraussetzung für relevante Literatur, in unserem Falle relevantes Theater.
Die ukrainische Autorin und Regisseurin Natalia Vorozhbyt schreibt in diesem Sinne «durch den Krieg», über den Krieg als Zustand. Nicht im Allgemeinen, sondern sehr konkret über den seit nunmehr acht Jahren währenden Krieg in ihrem Heimatland, der sie vor ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 163
von Sebastian Huber
Eine tolle Kollegin, mit der ich viel zu selten Kaffee trinken gehe, meinte vor Kurzem zu mir, sie hätte einmal die schon recht erfahrene Vorzimmerdame eines größeren deutschen Theaters, die schon einige Wechsel von einigen Intendierenden in ihrem Vorzimmerleben miterlebt hat, gefragt, wie das denn nun so sei, über all die Jahre, mit all den Wechseln, und ob es...
Mein 20-jähriges Ich schreibt in einer Bewerbung an die Studienstiftung des deutschen Volkes: «Ich hoffe, dass Theater politisch und gesellschaftlich wirken kann, weiß es aber nicht. Es geht nicht um eine perfekte Einzelleistung, sondern um das große Ganze, um das gemeinsame Ringen um Wahrheit. Dieses unendliche Bedürfnis, gemeinsam Grenzen zu verschieben.»
Desweg...
Möglicherweise waren es die plötzlich gewonnene Zeit des Reflektierens und die Leerlauf-Phasen der Lockdowns, die die strukturellen Probleme der Theaterbetriebe deutlicher denn je in aller Munde gebracht haben. Probleme, die lange vor sich hin gegärt haben und nun geradezu herausquellen aus den Theatern. Die Liste ist lang. Hat die Pandemie-Erfahrung zu einem...
