Durch den Krieg schreiben
Muss man in Kriegszeiten Stücke über den Krieg schreiben oder lesen oder auf die Bühne bringen? Ist es überhaupt möglich, und welchen Nutzen könnte es haben? Lässt sich ästhetisch fassen, was gerade vorgeht? Und wenn Zuschauer: -innen es hierzulande im Theater betrachten, was könnte der Gewinn sein? Wer will das sehen? Und andererseits – wer stellt (sich) diese Fragen? Wer kann sich solche Fragen leisten? Von Wladimir Majakowski (und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob Natalia Vorozhbyt mit dieser Referenz einverstanden wäre) stammt der Satz: «Man kann nicht über den Krieg sc
hreiben, man muss aber durch den Krieg schreiben.» Bei allen ästhetischen Schwierigkeiten, adäquat über etwas zu schreiben, das sich der Beschreibung immer wieder und vielleicht sogar grundsätzlich entzieht, so ließe sich das übersetzen, ist die Anerkennung des Kriegszustandes die Voraussetzung für relevante Literatur, in unserem Falle relevantes Theater.
Die ukrainische Autorin und Regisseurin Natalia Vorozhbyt schreibt in diesem Sinne «durch den Krieg», über den Krieg als Zustand. Nicht im Allgemeinen, sondern sehr konkret über den seit nunmehr acht Jahren währenden Krieg in ihrem Heimatland, der sie vor ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 163
von Sebastian Huber
Maria Milisavljevics Hauptfigur Kathrin ist Pflegekraft in einem Al - tenheim. Sie trägt nicht nur die Verantwortung für die Bewohner:innen des Heimes, sie spürt sie auch – Tag und Nacht, seit Jahren. Ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt sie schon lange. Bis zur Selbstaufgabe wäscht und wendet sie die alten Menschen und nimmt sich Zeit, wo diese fehlt. Getrieben...
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 63. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion Eva Behrendt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro Katja Podzimski
Gestaltung Christian Henjes
Designkonzept Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,...
Viel hatte die Freie Szene sich vorgenommen nach dem ersten Schock der Pandemie. Ansätze für strukturelle Veränderungen hatte es schon vorher gegeben. Die Missstände waren seit Langem bekannt und die Konzepte, um sie zu bearbeiten, lagen schon in den Schubladen. Nun sollten sie endlich auch umgesetzt werden. Ein Wendepunkt?
Darauf haben wir auch bei den Impulsen...
