Du sollst keine Briefmarken sammeln
«Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, die waren beschrieben auf beiden Seiten. Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben.» (2. Mose 32) Zwei Gesetzestafeln, und diese Tafeln stehen jetzt in den Lübecker Kammerspielen, links und rechts der Bühne. Fein säuberlich ist aufgelistet, was der Gläubige tun darf und was nicht, von «Du sollst keine anderen Götter neben mir haben» bis «Du sollst nicht begehren deines nächsten Gut».
Im Hintergrund ein Unort, eine grau verputzte Betonwand, unten Graffiti, oben ein zerbrochenes Fenster, einmal pflanzt jemand hilflos ein paar jämmerliche Primeln in den Blumenkasten, aber in der Pause fällt der Kasten krachend zu Boden. Gottferner als Otto Kuklas Bühnenbild zu Crescentia Dünßers «Zehn Gebote»-Inszenierung geht es nicht.
Als Krzysztof Kieslowski Ende der Achtziger «Dekalog – Die zehn Gebote» als Serie fürs polnische Fernsehen konzipierte, war das ein in seiner Konsequenz unerhörtes Unterfangen: einen biblischen Stoff aus säkularer Perspektive zu erzählen, die Gebote nicht als göttliche Weisungen zu verstehen, sondern als allgemeine moralische Richtschnur. Diese ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
Der Wiener Theatermacher Christian Suchy passt in keine Genre-Schublade. Angefangen hat er vor 20 Jahren mit sehr eigensinnigen, autistisch-komischen Soloabenden zwischen Mime und Objekttheater, in denen er beispielsweise mit Obst, Gemüse und Küchengeräten ganze Shakespearetragödien nachspielte. Suchy erwarb sich den Ruf eines Geheimtipps, kam darüber aber nicht...
Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem...
Der erste Tag in einer neuen Firma ist immer schwierig. Man weiß nicht, wem man vertrauen kann, man hat die firmeninternen Hierarchien noch nicht verinnerlicht, man fürchtet, in Intrigennetzwerke einzubrechen. Also stolpert man verunsichert durch den Arbeitstag, ständig in Angst, etwas falsch zu machen. Der erste Tag in der Hamburger Filiale von Söhne & Söhne...
