Du sollst keine Briefmarken sammeln
«Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, die waren beschrieben auf beiden Seiten. Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben.» (2. Mose 32) Zwei Gesetzestafeln, und diese Tafeln stehen jetzt in den Lübecker Kammerspielen, links und rechts der Bühne. Fein säuberlich ist aufgelistet, was der Gläubige tun darf und was nicht, von «Du sollst keine anderen Götter neben mir haben» bis «Du sollst nicht begehren deines nächsten Gut».
Im Hintergrund ein Unort, eine grau verputzte Betonwand, unten Graffiti, oben ein zerbrochenes Fenster, einmal pflanzt jemand hilflos ein paar jämmerliche Primeln in den Blumenkasten, aber in der Pause fällt der Kasten krachend zu Boden. Gottferner als Otto Kuklas Bühnenbild zu Crescentia Dünßers «Zehn Gebote»-Inszenierung geht es nicht.
Als Krzysztof Kieslowski Ende der Achtziger «Dekalog – Die zehn Gebote» als Serie fürs polnische Fernsehen konzipierte, war das ein in seiner Konsequenz unerhörtes Unterfangen: einen biblischen Stoff aus säkularer Perspektive zu erzählen, die Gebote nicht als göttliche Weisungen zu verstehen, sondern als allgemeine moralische Richtschnur. Diese ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
fassung
mange ton dasein!
lacan
tatsächlich gibt es nichts, was auf so unerträgliche art und weise unbrauchbar und überflüssig wäre wie das organ, das herz genannt wird, dieses schmutzigste aller mittel, das die wesen erfinden konnten, um leben in mich zu pumpen.
artaud
per medulam cordis mei,
peccatoris atque rei,
tuus amor transferatur,
quo cor tuum rapiatur
...
«Bondy hat sich etwas Jungenhaftes bewahrt.
Er ist wie ein ewiger Student.
Und er nimmt sich selbst nicht ernst.»
Michel Piccoli
Im luxuriösen, zugleich etwas hermetischen bundesrepublikanischen Theaterbetrieb der Achtziger gab es unter Eingeweihten und solchen, die dazugehören wollten, die Attitüde, sehr gängige Vornamen mit dem bestimmten Artikel zu versehen: der...
Es heißt ja immer, dass Kunst ihrer Zeit voraus eilen solle, dass sie im besten Falle die Wirklichkeit kennt, noch ehe diese sich selbst vollständig durchdringt. In diesem Sinne hatte Volker Lösch seine große Stunde 2004 am Staatsschauspiel Dresden, unter Intendant Holk Freytag, mit seiner Adaption der «Weber» von Gerhart Hauptmann. Die zündelnden Hassparolen des...
