Radio Briest
«It’s a man’s world», röhrt Michael Wittenborn, der Moderator der Briest-Radio-Show, ins Mikro. Ja, it’s a man’s world, in der Fontanes Effi Briest vor rund 120 Jahren in einer arrangierten Ehe mit dem Langweiler von Instetten auf dem Land verödet und mit dem Filou Major Crampas zur Seite springt, der, als die flüchtige Affäre Jahre später auffliegt, vom entehrten Ehemann im Duell erschossen wird. Effi verliert ihr Kind, wird von Mann und Eltern verstoßen und landet im gesellschaftlichen Abseits.
Die wilhelminische Gruselgeschichte, enervierten Abiturienten bis heute gerne als Beispiel des Epochenbruchs serviert, als Radioshow angerichtet im vollgerümpelten Tonstudio der Seventies von Marthaler-Schüler Clemens Sienknecht, ist der Hit der neuen Saison im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses. Mit gutem Grund.
Anke Grot hat das wilhelminische Personal mit sperrigen Locken, Fönwellen und Ponyfrisur, Hawaiihemd, Lederweste und psychedelischen Pullundermustern liebevoll in Kontrast gesetzt zu Gehrock und Korsettkleid der Fontane-Zeit. Vom Plattenspieler erklingt immer wieder häppchenweise Gert Westphals sonore Verlesung des behäbigen Romans, dem alle andächtig lauschen, um ihn im ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Barbara Burckhardt
Der Wiener Theatermacher Christian Suchy passt in keine Genre-Schublade. Angefangen hat er vor 20 Jahren mit sehr eigensinnigen, autistisch-komischen Soloabenden zwischen Mime und Objekttheater, in denen er beispielsweise mit Obst, Gemüse und Küchengeräten ganze Shakespearetragödien nachspielte. Suchy erwarb sich den Ruf eines Geheimtipps, kam darüber aber nicht...
Jedes Jahr im November blühen die Winter-Astern und die Norén-Inszenierungen als letzter Trost vor der Dunkelheit, meist pünktlich zum Totensonntag. Norén ist ein obsessiver Schriftsteller, er schreibt über seine Obsessionen – Alkoholismus, Asozialität, Krankheit, Tod –, aber seine größte Obsession ist das Schreiben. Über 100 Stücke hat er schon geschrieben, 32...
fassung
mange ton dasein!
lacan
tatsächlich gibt es nichts, was auf so unerträgliche art und weise unbrauchbar und überflüssig wäre wie das organ, das herz genannt wird, dieses schmutzigste aller mittel, das die wesen erfinden konnten, um leben in mich zu pumpen.
artaud
per medulam cordis mei,
peccatoris atque rei,
tuus amor transferatur,
quo cor tuum rapiatur
...
