Diffuse Männerschmerzen

Martin Kušej inszeniert am Burgtheater das Kino-Kammerspiel «Nebenan», Kay Voges verpasst «Faust» am Wiener Volkstheater einen Selfiestick, Sebastian Baumgarten schickt den Buñuel-Klassiker «Der Würgeengel» auf einen Drogentrip

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Wir gehen volles Risiko / Heute Nacht wird riesengroß», was da zu Beginn ironisch durch das Burgtheater dröhnt, klingt zwar schwer nach Schlagerkönigin Helene Fischer, ist aber von der Schweizer Konkurrenz Beatrice Egli. Der Song beweist: Man singt zwar gern von Wagnis, setzt aber trotzdem lieber auf bewährte Erfolgsmuster. Ein passender Einstieg für eine Produktion, die ähnlich agiert: «Neben -an» ist die Bühnenkopie eines deutschen Erfolgsfilms, der wie ein Theaterstück ist. Kunst in Zeiten der Mehrfachverwertung.

 

Testosteron ist der Stoff, aus dem ein Großteil der Inszenierung von Martin Kušej gemacht sind. Martialische Zuspitzungen sind die Spezialität des Burgtheaters-Chef, der meist in selten gespielten Stücken verhärtete Männlichkeit unter die Lupe nimmt. Kein Wunder, dass ihn das Kino-Kammerspiel «Nebenan» angesprochen hat, mit dem der Schauspieler Daniel Brühl 2021 sein Regiedebüt gab (Drehbuch: Daniel Kehlmann): eine Tragikomödie über Ossis und Wessis, Verlierer und scheinbare Gewinner. Aber vor allem: Ein Duell zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern, deren Lebens -lügen nach und nach bröckeln. Frauen sind, wie oft in Kušej-Inszenierungen, bloß Spielkarten und ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Karin Cerny

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