Diffuse Männerschmerzen
Wir gehen volles Risiko / Heute Nacht wird riesengroß», was da zu Beginn ironisch durch das Burgtheater dröhnt, klingt zwar schwer nach Schlagerkönigin Helene Fischer, ist aber von der Schweizer Konkurrenz Beatrice Egli. Der Song beweist: Man singt zwar gern von Wagnis, setzt aber trotzdem lieber auf bewährte Erfolgsmuster. Ein passender Einstieg für eine Produktion, die ähnlich agiert: «Neben -an» ist die Bühnenkopie eines deutschen Erfolgsfilms, der wie ein Theaterstück ist. Kunst in Zeiten der Mehrfachverwertung.
Testosteron ist der Stoff, aus dem ein Großteil der Inszenierung von Martin Kušej gemacht sind. Martialische Zuspitzungen sind die Spezialität des Burgtheaters-Chef, der meist in selten gespielten Stücken verhärtete Männlichkeit unter die Lupe nimmt. Kein Wunder, dass ihn das Kino-Kammerspiel «Nebenan» angesprochen hat, mit dem der Schauspieler Daniel Brühl 2021 sein Regiedebüt gab (Drehbuch: Daniel Kehlmann): eine Tragikomödie über Ossis und Wessis, Verlierer und scheinbare Gewinner. Aber vor allem: Ein Duell zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern, deren Lebens -lügen nach und nach bröckeln. Frauen sind, wie oft in Kušej-Inszenierungen, bloß Spielkarten und ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Karin Cerny
Ein perfektes Dilemma: Kulturelle Appropriation, also die Aneignung von Elementen fremder Kulturen, ist einerseits unverzichtbar, wenn es um einen kulturellen Austausch gehen soll, der sich nicht in den engen Grenzen einer gefühlt eigenen Kultur einmauern will. Denn die Verweigerung jeder kulturellen Appropriation führt geradewegs in den Ethnozentrismus: Jeder...
Wer wären wir denn, wir Postmodernistinnen und -modernisten, uns von schnöden Realitäten in die Knie zwingen zu lassen? Zumal von solchen, die sich frech als ultimativ aufspielen? David, der Sohn von Renate und Konrad Herzer, hatte vor drei Jahren einen tödlichen Autounfall; er war damals acht. «Aber die Eltern» – um die Sachlage mit der YouTuberin «Angel Wing...
Manchmal muss man die Aktualität eines Stoffes gar nicht behaupten, sie ergibt sich einfach. So geschehen mit der Dresdner «Gas-Trilogie», ein expressionistischer Theaterreigen von Georg Kaiser, den Sebastian Baumgarten jetzt auf die Hinterbühne des Staatsschauspiels gestellt hat. Sie atmet aus jeder Pore vergangene Zukunft, was auch an der Bühne von Thilo Reuther...
