Diese schreckliche Indifferenz
In Jean Baudrillards Denken, vor allem seinem späten, rechten Ideologien zuneigendem, gibt es eine starke Verkettung von Langeweile und Hass. Sein ständiger Abgesang auf die geistlose Leere der modernen Gesellschaft, auf die verderbliche westliche Werte-Suggestion durch Warenanreize und das mediale Ereignis-Voodoo, zeugte recht offen von seiner Sehnsucht nach dem Ausbruch von Gewalt als Korrektiv.
9/11 und den terroristischen Islamismus benannte Baudrillard dann auch als «die Revolte der Anti-Körper» und beschrieb den politischen Massenmord im Namen Allahs nicht ohne stille Hoffnung als einen Weckruf für den westlichen Werteschlaf.
Kurz vor seinem Tod 2007 äußerte er sich dazu noch einmal in geradezu anerkennenden Worten: «Die ganze Welt, China und Japan eingeschlossen, wird in die postmoderne Zersplitterung und Entwurzelung hineingezogen, die die Werte hinter sich lässt. Es gibt eine Ausnahme: den Islam. Er allein fordert die radikale Gleichgültigkeit, die die Welt durchfegt, heraus.»
Demokratie-Defätismus
Mit diesem Demokratie-Defätismus passt Baudrillard perfekt in die inszenatorische Ehrenhalle, die Frank Castorf seit längerem für bestimmte männliche Autoren baut, die starke ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Till Briegleb
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