Der Kompass zittert
Irgendwann während der Lektüre von Roland Schimmelpfennigs erstem Roman «An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts» werden einem mit Sicherheit Titel früherer Theaterstücke des Autors einfallen: «Aus den Städten in die Wälder, aus den Wäldern in die Sädte» etwa; dann vielleicht «Für eine bessere Welt» oder «Die vier Himmelsrichtungen», «Ende und Anfang» oder «Das Reich der Tiere».
Mit all diesen Titeln lässt sich der irdische Kosmos abstecken, in dem sich dieser Roman ereignet, und wir begegnen solchen Figuren wieder, wie wir sie von der Bühne kennen. Es ist der Ort gleich nebenan, den man übersieht und an dem sich Weltstürzendes im banalen Alltag der Menschen ereignet; es sind diese Menschen, an denen wir vorübergehen, unerkannt und uninteressiert, mit und in denen jedoch im selben Moment eine ungeheuere Veränderung stattfindet: Das Leben gerät aus den Fugen, der vertraute Boden unter den Füßen beginnt zu schwanken.
Tatsächlich führt Schimmelpfennig seine Helden von den Rändern der Stadt hinein nach Berlin und immer wieder zurück, in alle Richtungen, die der zitternde Kompass anzeigt; diese Frauen und Männer, die sich an Wünschen festklammern, ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Bernd Noack
Dostojewski ist einer der Autoren, an die man einmal geglaubt haben muss. Für empfängliche Seelen ist das eine beglückende Zeit, man identifiziert sich mit des Russen irrsinnsnahem Allmitgefühl: sein spezielles Gespür für die Spielsucht des Spielers, die Zerrüttung des Mörders, die Fallsucht des Idioten. Später schämt man sich dann etwas für die...
Ort
Eine geräumige Wohnung an der Upper East Side in New York.
Zeit
2011 bis 2012.
Die ersten beiden Szenen spielen im Spätsommer 2011.
Die dritte Szene spielt drei Monate später im Herbst.
Die vierte Szene spielt sechs Monate später im Frühling.
Das Stück sollte ohne Pause gespielt werden
SZENE EINS
Licht.
Hohe Decken, Parkettboden, Profilleisten. Das...
In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende...
