Die zwei Welten des Theaters
TH Anfang dieses Jahres hat die Journalistin Petra Kohse in einem Artikel in der «Berliner Zeitung» die These aufgestellt, dass «‹Freie Kunst› sich heutzutage durch Effizienz und Internationalität» auszeichne. «Das kann die Institutionskunst von ihr lernen. Das künstlerische Experiment indessen findet innerhalb der subventionierten Häuser statt», schreibt die Autorin, die sich ansonsten in ihrem Text mit Förderstrukturen für freies Theater befasst. Das ist überraschend.
Lange Zeit hat sich die Theaterszene – und nicht nur die freie! – genau das Gegenteil erzählt, nämlich, dass Innovation in der Freien Szene passiert: Impulse, die das Stadttheater dann gerne aufgreift und in größeren (auch) Qualitätsdimensionen reproduziert. Haiko Pfost, Sie haben sehr lange für verschiedene Festivals und am freien Wiener Produktionshaus brut gearbeitet und verantworten ab diesem Jahr das renommierte Freie-Szene-Festival Impulse in NRW. Was halten Sie von dieser These?
Haiko Pfost Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten damit. Effizienz und Internationalität in der Freien Kunst – ja, ich sehe aber auch das Gegenteil. Ortsspezifisches, lokal gebundenes Arbeiten ist und war immer ein wichtiges ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Das Gespräch, Seite 18
von Eva Behrendt und Franz Wille
Zu den Höhepunkten der Lithurgie des Berliner Theatertreffens gehört am letzten Tag die Verleihung des Alfred-Kerr-Preises der gleichnamigen Stiftung, den – so will es die Tradition – stets ein*e namhafte*r Schauspieler*in eine*r möglichst junge*n Kolleg*in verleiht. Direkt danach findet die öffentliche Schlussdiskussion der Kritikerjury statt – ein Umstand, der...
Tatsächlich: Bochum ist Krähwinkel. Da macht man Revolution und endet in sentimentaler Reaktion. Warum man Nestroys «Posse mit Gesang», die so herrlich nach allen Seiten austeilt, Revolutionäre und Reaktionäre gleichermaßen verspottet, aus dem kurzfristig revolutionierten Wien von 1848 nach Bochum verschleppt hat, ergibt sich auch aus dem ersten Teil des Titels. Um...
Was für eine Familie. Der Ur-Opa war ein mittlerer Massenmörder der SS und wurde beim Einmarsch der Roten Armee vor den Augen seiner Tochter auf Nimmerwiedersehen verschleppt, das Kind anschließend von einem Russen vergewaltigt. Lieblingssspruch der Mutter: «So etwas passiert in unserer Familie nicht.» Die Traumata aus dem Krieg lassen auch danach keine rechte...
