Ich, ich, ich und noch einige mehr
Was ist das für ein Raum? Das soll eine Bühne von Robert Wilson sein, dieses verwüstete Atelier, voll gestopft, ungeordnet, anarchisch? Auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses ist das Atelier von Francis Bacon nachgebaut, wie man es von Fotografien kennt. Ja, das passt: der grandiose Maler des 20. Jahrhunderts, Anatom und Menschenbildnis-Zertrümmerer, der Gesichter zersetzt und zerrissen hat, dem der Körper über alles ging und der ihm heilig war – und das Bildnis des Do -rian Gray.
Auf der Leinwand altert das von Basil Hallward gefertigte Porträt zur Scheußlichkeit und widerlichen Fratze, während das «Original» begehrenswert jung und schön bleibt. Die Verderbnis wird delegiert – Dorian Grays Teufelspakt.
«Sein Körper war sein Instrument», heißt es in dem Text von Darryl Pinckney, einer tollen Montage aus Wilde-Zitaten und eigenem Zutun. Klug, herausfordernd und poesievoll – ein Essay über die Schönheit, das Fleisch, die Ich-Sucht, das Chaos des Herzens, die Tyrannei der Fantasie, die Angst und die Unendlichkeit des Leidens.
Manchmal meint man darin den Sound von Heiner Müller zu hören, mit dem Robert Wilson eine (Arbeits-)Freundschaft verband. Auf lange Sicht betrachtet ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Andreas Wilink
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