Die vielen Farben des Glamour
Glamour für alle» war das Motto, mit dem Andreas Karlaganis, der neue Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, für seine erste Spielzeit warb. Welche Art von attraktivem Glanz nun von der Bühne herab auf die Zuschauer strahlen soll, wurde in den ersten Inszenierungen erst langsam deutlich.
Die Spannung war hoch. Erstirbt das Publikumsgeplauder sonst erst, wenn das Saallicht ausgeht, entstand das ehrfürchtige Schweigen bei der Premiere schon bevor der goldene Düsseldorfer Eiserne Vorhang sich hob. Und dann Düsternis und Stille, Nacht und Traum statt strahlendem Glamour.
Ulrich Rasches Inszenierung von Kleist «Prinz von Homburg», mit der die Spielzeit eröffnet, geht andere Wege. Alle laufen im Kreis, wie so oft in Rasches Inszenierungen, und kommen nicht vorwärts, weil die Drehscheiben sich in Gegenrichtung bewegen. Rasches Mittel sind nicht neu, er entwickelt seinen Stil allerdings weiter. Aber neu ist er in Düsseldorf, und mit Kleist scheint Rasche einen textlichen Widerpart gefunden zu haben, an dem er seine inszenatorischen Mittel optimieren kann.
Vier Stunden lang sieht man auf schwebende, sanft bewegte Leuchtstäbe. Sie tanzen umeinander, der Blick verschwimmt, unscharf ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Starts, Seite 40
von Gerhard Preußer
AMSTERDAM, ALLARD PIERSON
bis 29.11., The Art of Transformation
Die Ausstellung widmet sich der Verwandlung auf der Bühne durch Rollen, Masken, Kostüme und Bühnenbilder. Anhand von Objekten aus der Theatersammlung von Allard Pierson – darunter Kostüme, Fotografien, Tonaufnahmen und Bühnenbildent -würfe – verbindet sie historische Theaterpraktiken mit heutigen...
Wer ein Haus baut, ist gut beraten, nicht mit dem Dach zu beginnen. Im Theater muss man das nicht so eng sehen: Am Ende des Elfriede-Jelinek-Abends «Die Ankunft» am Wiener Volkstheater wird ein Haus auf der Bühne stehen; am Beginn von Jan Philipp Glogers Inszenierung aber ist davon nur das Dach zu sehen. Nachvollziehbar wird das, wenn man weiß, dass «Die Ankunft»...
Iason, um mit dem griechischen Held, Ehebrecher und finalen Jämmerling anzufangen, hatte keine einfache Kindheit. Der Sohn eines abgesetzten Königs wuchs in der Höhle des Cheiron auf, ein Zentaur, also Mischung aus Pferd und Mensch. Dieses Fabelwesen war äußerst gebildet nicht nur in Philosophie und Heilkunst, mit daraus abgeleitet reichlich pessimistischem...
