Tag der offenen Tür im Knast
Zwei junge Frauen streiten über Politik und Triggertheorie. In Bremen schuften Niedriglohnempfänger in einem Hochregallager, das belegschaftsintern Guantánamo genannt wird. Zeus spricht über den Untergang der Medienkultur. Aus Künstlern werden Journalisten, oder sie machen ein Kunstprojekt im Knast. In «Farbenblinde Arbeit» geht es um unsere Arbeitswelt, die Krise der Printmedien und Wahrnehmungsprobleme, um Kunst im Knast und Kunst als Knast. Und um einen persönlichen Rachefeldzug.
Nach einem Streit über das Programm ihres feministischen Filmclubs schmeißt Michelle ihre Mitbewohnerin Sofie aus der Wohnung. Michelle glaubt, dass man Frauen, die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht haben, vor bestimmten Filmen schützen muss, um ih-re traumatischen Erlebnisse nicht erneut auszulösen. Für Sofie ist diese Triggertheorie eine Bevormundung und politisch gesehen Unsinn, weil sie direkte Aktionen verhindert. Sofie ist Künstlerin und arbeitet mit Frauen im Gefängnis an einem Kunstprojekt. Computerprogramme übersetzen die Stimmungen der Frauen in grafische und akustische Objekte. «Affektives Programmieren» nennt sie das. In der aktuellen Debatte über die Privatisierung der ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 176
von Ingoh Brux
Sowohl die lebenden als auch die toten Figuren dieses Stückes sind frei erfunden.» So der Hinweis des Autors. Und doch verweist das neueste Stück von Owen McCafferty auf konkrete gesellschaftspolitische Ereignisse seiner Heimatstadt Belfast. Geschickt verknüpft der Autor in seinem Drama «Quietly», das der erfahrene Übersetzer Michael Raab mit «In aller Ruhe» ins...
Man kann viel mehr sehen, wenn man nur genau hinsieht», schreibt David Gieselmann in seiner Komödie «Falscher Hase». Was könnte dem flüchtigen Blick beim zu schnellen Hinschauen denn entgehen? In «Container Paris» zeigt sich auch bei ganz genauer Betrachtung nur eins: das Nichts.
Im Zentrum des neuen Stückes von David Gieselmann steht ein Container. Genauer...
Anja Hilling ist eine Poetin. Und in Zeiten, in denen dramatische Literatur als unzeitgemäß gilt, sollte man das zunächst einmal unterstreichen. Hillings Dichtkunst bemerkt die Leserin oder der Leser schon, wenn sie oder er nur die Besetzungsanweisungen, Orts- oder Zeitangaben ihrer Stücke liest. Sachte, aber dennoch pointiert und stets entschieden lyrisch umreißt...
