Die Theaterzentrale für politische Aufklärung
Zwischenrufe während einer Vorstellung können lästig sein, aber manchmal treffen sie den Kern einer Inszenierung. Der Zwischenrufer, der Hans-Werner Kroesingers Recherchestück «History Tilt» vor einigen Jahren im Berliner HAU störte (oder ergänzte), widerlegte ungewollt einige Missverständnisse zum politischen Dokumentartheater im Allgemeinen und zu Kroesingers Arbeiten im Besonderen.
Kroesinger hatte ein Ereignis aus der Geschichte des Genozids an den Armeniern untersucht, das vor der Vorstellung nur intimen Kennern der Materie vertraut gewesen sein dürfte: die Ermordung des ehemaligen türkischen Innenministers Talaat Pascha durch einen jungen Armenier im März 1921 in Berlin-Charlottenburg. Der Mord war ein Racheakt an einem der politischen Hauptverantwortlichen des Völkermords. Im anschließenden Prozess wird der Attentäter freigesprochen. Man kann vermuten, dass dem Deutschen Reich die eigene Verwicklung in den Völkermord inzwischen etwas peinlich war. Kroesinger benutzt die Prozessakten und den internen Briefwechsel des über den Völkermord bestens informierten Auswärtigen Amtes. Als auf der Bühne jemand sagt, die Türken hätten den Völkermord nicht gewollt, kommt der Protest aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 37
von Peter Laudenbach
Der Muezzin ruft. Ascheflocken rieseln auf Jerusalem. In der umkämpften Stadt verspricht das nichts Gutes, am wenigsten zu Kreuzzugzeiten. Aber der erste Bühneneindruck täuscht. Sechs Vermummte verrichten friedlich ihr Gebet, und der Ascheschnee ist vorerst Vorbote einer Heldentat: Ein Tempelritter hat ausgerechnet eine Jüdin aus einem brennenden Haus gerettet.
«Nat...
Aachen, Grenzlandtheater
29. Didion, Das Jahr magischen Denkens
R. Uwe Brandt
Aachen, Theater
8. Gorki, Wassa Schelesnowa
R. Ewa Teilmans
12. Mezger, Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam
R. Stefan Rogge
27. Price, Die Radikalisierung Bradley Mannings
R. Dominik Günther
Aalen, Theater der Stadt
28. nach Nibelungen, Hilde & Hilde
R. Jasmin Schädler
...
Es ist dieser Moment in Daniela Löffners angstfrei emotionaler Inszenierung von Brian Friels Turgenjew-Dramatisierung «Väter und Söhne», wenn tatsächlich jeder Widerstand bricht. Der pensionierte Militärarzt Wassilij Iwanowitsch Bazarow, ein großer Mann, der sich sehr klein fühlt und das hinter vielen Worten zu verbergen sucht, ist verstummt. Sein Sohn ist tot,...
