Die sogenannte Systemfrage
Dies kann nur ein Artikel über Vergesslichkeit werden, denke ich. Da kommt jemand, baut einen Marx-Popanz auf, den er dann öffentlich ersticht, als wäre er der erste Kritiker. Was erzählt uns Herzinger über Marx? Er wäre widersprüchlich und totalitär, ressentimentgeladen und Antisemit, dem theoretischen Gehalt seines Hauptwerkes «Das Kapital» könne man quasi die Luft rauslassen und erhielte bloß Marxens Hass auf die Moderne.
Nichts dahinter!
Die «Lösung der Judenfrage», die Herzinger kontextlos am Ende anbringt, erinnert unsere heutigen Ohren nur noch an nationalsozialistische Diktion und nicht an eine Debatte des 19. Jahrhunderts – Marx also ein Vorbereiter des Holocaust?, könnte man genauso perfide zurückfragen. Geht es wirklich so einfach? Beziehungsweise sind die Marxschen Werke so gefährlich, dass man mit diesen Keulen kommen muss, um sie zu erschlagen? Eines ist sicher, die Kapitalschulung, die wir im Untertitel zum Artikel versprochen bekommen, erhalten wir weder bei Herzinger noch bei Kluge.
Fangen wir wieder von vorne an?
Ja, denken wir einen Moment nach über die allgemeine Vergesslichkeit, mit der wir konfrontiert sind. Ulrich Peltzers Artikel in der «taz» von Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man könnte Schwarz sehen am Düsseldorfer Schauspielhaus. Auf der Farbskala bühnenästhetischer Vorlieben und bis in die Titel der Produktionen jedenfalls dominiert Schwarz – oder als sein Kontrastmittel Weiß. Für die Generalintendantin Amélie Niermeyer scheint sich die Sicht der Dinge verdunkelt zu haben, nach fünf Jahren wird sie, auf eigenen Wunsch, wie es heißt,...
Wenn ich nochmal jünger wäre», sagte die damals 52-jährige Gisela Stein 1987 in einem «Theater heute»-Gespräch, «hätte ich versucht, mich zu einer Anarchistin auszubilden», um «diese Gesellschaft, die sich selbst so toll findet in ihrem eigenen Saft», noch anders aufzumischen. Sie sprach auch von ihren Kriterien: «Die Sehnsucht, etwas zu entdecken anhand von...
Der Vorhang ist gefallen. Schon lange vor Aufführungsbeginn hat ihn Armin Petras für seinen Abschied vom Frankfurter Schauspiel unter Elisabeth Schweeger der Schwerkraft überantwortet. Da liegt das edle Tuch nun in seiner samtroten Pracht, von Olaf Altmann über Rückwand und Boden drapiert, und wird begangen, bespielt, beschlafen und bewässert, statt sauber gehängt...
