Die Schöne und das Biest
Als Elisabeth Trissenaar und Hans Neuenfels Anfang der Achtziger, damals schon seit bald zwanzig Jahren ein Künstlerlebenspaar, ans Westberliner Schillertheater kamen, eroberte «die Trissenaar» die schaubühnenverwöhnte Mauerstadt mit einer überrumpelnden Doppelgesichtigkeit: als weißgewandete und traumschön gelockte Iphigenie samt edlem Gesten- und Mienenrepertoire; und als unbezähmt blutrünstige und wildmähnige Penthesilea samt Mordgeschrei im rasendweit geöffneten Mund.
Es folgte, wieder ein krasser Kontrast, ihre großbürgerlich abgründige Regine in Robert Musils filigranem, fast ungespieltem und unspielbarem Gedankendrama «Die Schwärmer». Regie führte immer, wie in fast sechzig Theater- und Ehejahren und in schließlich wohl siebzig gemeinsamen Produktionen, Hans Neuenfels, ehedem raubauziger Regie-Rebell und später Klassiker zu Lebzeiten.
Eine solch weitgespannte, gelegentlich auch überspannte darstellerische Bandbreite war selten. Eine Denkspielerin, intellektuell gestählt durch die dramaturgischen und politischen Diskussionen des Frankfurter Mitbestimmungstheaters in den Siebzigern. Und doch auch eine gefühlssatte, Katharsis beflügelnde Vollbluttragödin, moderiert nur vom ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Nachruf, Seite 38
von Michael Merschmeier
Der Name Schauspielhaus ist eigentlich ein Witz. Mit seinen 220 Plätzen ist das Theater in der Wiener Porzellangasse mehr eine größere Kellerbühne als die repräsentative Institution, die man gemeinhin mit dem Begriff assoziiert. Dass der Wiener Regisseur Hans Gratzer, der davor mit einer freien Gruppe Furore gemacht hatte, sein 1978 in einem abgewohnten alten Kino...
In schwarzer Latzhosenrüstung mit Glitzerumhang und mit stattlichem Pferd steht sie da vor einer mit Folien abgedeckten Welt und kann gar nicht so recht glauben, was ihr die Katze da so alles berichtet: Von Opfergaben an einen ominösen Drachen, der das Dorf mafiös beschützt, und einer Bevölkerung, die voller Verblendung das Leid dem Kampf und der ungewissen...
Der Mount Everest, benannt nach einem britischen Geodäten und Offizier, der dereinst die Vermessung des Subkontinents Indien leitete, ist der höchste unter den vierzehn Achttausendern. Dass er zunächst nur Peak XV hieß, erfährt man zu Beginn des Theatertextes, der kurz darauf auch preisgibt, dass die Ehre der Namenspatenschaft eigentlich einem «blitzgescheiten...
