Die Schöne und das Biest
Als Elisabeth Trissenaar und Hans Neuenfels Anfang der Achtziger, damals schon seit bald zwanzig Jahren ein Künstlerlebenspaar, ans Westberliner Schillertheater kamen, eroberte «die Trissenaar» die schaubühnenverwöhnte Mauerstadt mit einer überrumpelnden Doppelgesichtigkeit: als weißgewandete und traumschön gelockte Iphigenie samt edlem Gesten- und Mienenrepertoire; und als unbezähmt blutrünstige und wildmähnige Penthesilea samt Mordgeschrei im rasendweit geöffneten Mund.
Es folgte, wieder ein krasser Kontrast, ihre großbürgerlich abgründige Regine in Robert Musils filigranem, fast ungespieltem und unspielbarem Gedankendrama «Die Schwärmer». Regie führte immer, wie in fast sechzig Theater- und Ehejahren und in schließlich wohl siebzig gemeinsamen Produktionen, Hans Neuenfels, ehedem raubauziger Regie-Rebell und später Klassiker zu Lebzeiten.
Eine solch weitgespannte, gelegentlich auch überspannte darstellerische Bandbreite war selten. Eine Denkspielerin, intellektuell gestählt durch die dramaturgischen und politischen Diskussionen des Frankfurter Mitbestimmungstheaters in den Siebzigern. Und doch auch eine gefühlssatte, Katharsis beflügelnde Vollbluttragödin, moderiert nur vom ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Nachruf, Seite 38
von Michael Merschmeier
Zarin Katharina hat mal wieder Langeweile. Die Arme leidet an «Low Boredom Threshold», niedriger Toleranz für Langeweile. Ihr neuester Therapie-Einfall: Ein Anruf bei Denis Diderot (1713–1784) – wozu lebt man im Zeitalter der Handykom -munikation? Ein bisschen Aufklärung kann auch an Katharinas Hof nicht schaden. Der französische Philosoph und Herausgeber der...
Uraufführung 16.12.2023, Schauspiel Leipzig, Regie: Elsa-Sophie Jach
© Suhrkamp Verlag Berlin 2023
1 Tochter
Nur ein Brautraub
das ist Brauch
und die Cousins
sind auch der
Braut im Auto nachgebraust
über die Landstraßen
rasen sie überdrehen
sie übertreiben sie treiben
sich an treiben voran sich
voreinander her
überschätzen sich
verschätzen sich
überschlagen falsch
...
Theater und TV haben vieles gemeinsam. Aber Krimis gibt es im Theater selten. Doch wer es im Theater zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht hat, wird TV-Kommissar:in, z.B. Ines-Marie Westernströer (Kriminalhauptkommissarin Pia Heinrich, Tatort Saarbrücken). Und wer als Real-Kommissar (Kommissionsleiter, Kriminalpolizei Köln) nicht mehr gebraucht wird, wird...
