Die Rückkehr der vierten Wand
Der Schriftsteller und Alkoholiker Beverly Weston ordnet letzte Dinge. Bei Michael König schaukelt er dazu behaglich ein gut gefülltes Whiskyglas in den Händen, umschreitet mehrfach den zerschlissenen Ledersessel vor dem Kamin und wirft noch einen kopfschüttelnden Blick auf zwei, drei Manuskriptblätter, bevor er sie versonnen den Flammen opfert. Der jungen Indianerin Johnna, die er einstellen will, damit sie künftig den Haushalt führt, eröffnet er heiser orakelnd mit T. S. Eliot: «Das Leben ist sehr lang.
» Eine Szene später schon ist der Hausherr verschwunden, und die erwachsenen Töchter und ihre Familien versammeln sich im Elternhaus, um ihrer verlassenen Mutter Violet beizustehen. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Beverly hat sich das Leben genommen.
Berechenbare Überraschungen
Tracy Letts’ pulitzerpreisgekrönter Broadwayerfolg «August: Osage County», auf Deutsch meist übersetzt mit «Eine Familie», ist nun auch an der Wiener Burg und bei Alvis Hermanis angekommen. Ende 2008 hatte Burkhard C. Kosminiski in Mannheim die deutschsprachige Erstaufführung inszeniert; in dieser Spielzeit steht das Familiendrama gleich an mehreren Häusern auf dem Programm. Denn Letts Stück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein weißes, «sexuell provokatives» Zahngerät zwischen die Lippen geklemmt, schleicht eine Gestalt in weitem Hemd und Faltenrock, unter dem Arm eine Ente in goldenem Käfig, aus der gestreift tapezierten Szenerie. Frage: «Was gibt Worten die Magie?» Antwort: «Ich, ich, ich.» Wer spricht? Willem Dafoe als Idiot Savant in Richard Foremans gleichnamigem neuen Stück, mit...
Die Atriden haben Nerven. «Dem Volke» haben sie auf ihren Palast der Republik gepinselt und die Front totalverglast. Das soll bürgernah wirken, transparent, offen für alle. Irgendwann muss den Atriden die ewige Bürgernähe aber auf den Geist gegangen sein, sie verrammelten die Türen, zogen die Vorhänge zu, segelten nach Troja und sind seither nicht mehr zu...
Aimée hat was im Kopf, und das ist leider nicht nur die übliche Gehirnmasse. Mitten im Gewebe sitzt ein Knochen, um den sich ein fieser kleiner Tumor rankt. Deshalb hat sie auch immer mal wieder epileptische Anfälle mit Visionen eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Und deshalb stirbt sie, bevor ihre Tochter Loup erwachsen werden kann. Die muss nun als...
