Nachwuchs: Das erschöpfte Selbst
Zu Beginn goldene Worte, mal pragmatisch ernüchtert wie die des Thalia-Intendanten Joachim Lux, der den Regienachwuchs ermahnte, sich schon rechtzeitig an die Balance von Markt und Eigensinn zu gewöhnen. Mal vom utopischen Furor davongetragen wie die des Kulturbereichsleiters der namengebenden Körber-Stiftung Kai-Michael Hartig, der die Studenten in Zeiten der globalen Krisen und Wanderungsbewegungen mit Hermann Hesses «Glasperlenspiel» dazu aufrief, die Dachstube zu verlassen und dahin zu eilen, «wo es raucht».
Das Spannungsfeld zwischen Markt und Eigensinn entfaltete sich in den folgenden vier Tagen dann allerdings weniger zwischen Kunst und Politik, als vor allem im Genre-Unterschied von Stadttheater und Performance, die im 12. Jahr des Körber Studios Junge Regie im Thalia Theater in der Gaußstraße absolut gleichberechtigt auftraten: Nur noch sechs der 13 (von ihren Regieschulen vorgeschlagenen) Produktionen arbeiten sich an Textvorlagen ab. Da gab es Ibsens «Volksfeind» aus Ludwigsburg und einen vom angesagten Schreibduo Nolte/Decar daran (und am «Weißen Hai») angelehnten «Volkshai», bereits produziert vom Stadttheater Bonn; Hauptmanns «Vor Sonnenaufgang» vom Salzburger ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Barbara Burckhardt
Nach 23 Stunden und 45 Minuten stehen alle auf im Saal und heben die Arme. Die Beats sprechen den Befehl aus, und der goldene Wabbelkörper von Dionysos schüttelt auf der Bühne, was er hat, und das ist viel. Als auch noch der Bass droppt, wie man in der Clubmusik den Moment nennt, wenn nach einer Basspause die Tiefen wieder einfahren, ist es um die Menge geschehen....
Das ist eine Geschichte, wie sie der, über den in ihr berichtet wird, selber erdacht haben könnte: Der Spitzel eines diktatorischen Regimes hockt jahrelang in seinem Observationskabuff und registriert jede Bewegung des ihm obskuren Objekts seiner Beobachtungsbegierde. Voller Pflichteifer bekommt er aber gar nicht mit, dass der angebliche Staatsfeind längst...
«In der Horde tut ihr Dinge, die ihr alleine nicht tun würdet.» Ja, da hat die Automatenstimme Julia wohl recht. Schließlich bringt sie die Teilnehmer von «Remote Karlsruhe» nicht nur dazu, sich per Kopfhörer rund eindreiviertel Stunden lang durch die Stadt leiten zu lassen, sondern auch dazu, in Demonstrantenhaltung mit gerecktem Arm durch die Fußgängerzone zu...
