Die Prinzipienreiter
Sie beharren beide auf ihrem formalen Recht und verlieren sich in ihren Rachefeldzügen. Die Rezeption des Shylock, Shakespeares jüdischem Pfandleiher, der dem Kaufmann von Venedig Antonio ein Pfund Fleisch aus dem Körper schneiden will, befindet sich dabei spätestens seit der Indienstnahme des Stücks für den nationalsozialistischen Antisemitismus auf heiklem Terrain, während Kleists brandschatzender Pferdehändler Michael Kohlhaas schon von seinem Schöpfer im Ambivalenzraum als «zugleich rechtschaffenster und entsetzlichster Mensch seiner Zeit» verortet wurde.
In Hamburg kann man zur Zeit beide Prinzipienreiter sehen.
Kleists stumme Nachfahren
Am Thalia Theater macht Antù Romero Nunes gleich zu Beginn kurzen Prozess: Das Fallbeil lässt Kohlhaas’ Kopf effektvoll in den Korb purzeln, während Wolf-Dietrich Sprengers sonore Stimme aus dem Off das Ende der Novelle aus dem Jahr 1808 verliest: «Vom Kohlhaas aber haben noch im vergangenen Jahrhundert einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.»
Dann schließt sich der rote Samtvorhang, kassiert den Szenenapplaus und öffnet sich wieder: in unserem letzten Jahrhundert, als die Faxgeräte noch eifrig Papier ausspuckten, Kaffeekocher ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Barbara Burckhardt
Das Programmheft mal wieder! Da wird, bevor es überhaupt um den Inhalt des neuen Stücks «Brand» von Bettina Erasmy geht, ausschweifend über «Epigenetiker» referiert, die untersuchen, «inwieweit sich ein Nebenstrang der DNA tatsächlich durch traumatische Erlebnisse verändert», und über Psychologen, die danach fragen, «welche Konsequenzen diese Erkenntnis für den Weg...
Pläne der Redaktion
Der Heizer Robert Smith will sich einfach nicht anpassen in der westlichen Welt. Perfekter Stoff für Frank Castorf: Eugene O’Neills «Der haarige Affe» in Hamburg.
#MeToo: Julia Riedler, Judith Rosmair und Hildegard Schmahl über Theaterarbeit, Macht und Männer.
Er war in den 60er Jahren ein Bühnenrevolutionär, dessen Entwürfe auch heute noch ...
Ist Gutmensch auch gleich Wutbürger? Der Gutmensch hat den Drang, den Fremden aufzuhelfen, der Wutbürger will den Staat bekämpfen. Der Wüterich ist gutgestellt, der Güterich ist armselig. Doch sind die Übergänge fließend. Und Größenwahn gibt es bei beiden Typen.
Der Titelheld von Lukas Linders neuem Stück «Supergutmann» ist verblüfft, wenn man ihn fragt, ob er ein...
