Bamberg: Alles muss rein
Das Programmheft mal wieder! Da wird, bevor es überhaupt um den Inhalt des neuen Stücks «Brand» von Bettina Erasmy geht, ausschweifend über «Epigenetiker» referiert, die untersuchen, «inwieweit sich ein Nebenstrang der DNA tatsächlich durch traumatische Erlebnisse verändert», und über Psychologen, die danach fragen, «welche Konsequenzen diese Erkenntnis für den Weg zu einem glücklichen Leben hätte».
Von Traumata der Vergangenheit ist die Rede, welche in der Frage gipfelt, ob sich die DNA «wieder umschreiben» lässt, «hin zu einer offeneren Zukunft?»
«Brand» ist mit und ohne psychotraumatische Unterfütterung ein eher leichtes bis seichtes Stück Familienaufstellung, in dem sich die Charaktere mit allzu offensichtlichen Eigen- und
Unarten hart voneinander abgrenzen. Ein Gang durch die westdeutsche Geschichte, vom Trümmerhaufen zum trauten Heim, von Kriegslärm zu Verwandten-Fehden: Vater, Mutter, Kinder und Oma (Regine Vergeen, später mehr als nette Wiedergängerin, als schlechtes Gewissen, als putzige Mahnerin durch die Szenen geisternd) im Strudel des wirtschaftlichen Aufschwungs und der moralischen Orientierungslosigkeit, ausgestattet mit Macken, die sich so zwingend wie aufdringlich ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Bernd Noack
Ein Boxring, nur ohne Sicherheitsseil. Ein festungsfelsgraues Plateau, nur ohne Landschaft. Darauf zwei Sparringspartner, nur voneinander abgewandt. Die szenische Ausgangslage, die die niederländische Regisseurin Liliane Brakema im Freiburger Theater für August Strindbergs «Totentanz» wählt, spottet jeder Ehebeschreibung. Edgar und Alice, die verkannte...
Schiffbar ist die Oker ja eher nicht. Ruder-, Paddel- und Tretboote – das ist das Maximum an Wasser-Kunst. Einen künstlichen Sandstrand gibt’s in einem früheren Fluss-Schwimmbad: die «Okercabana». Immerhin aber teilt sich das Flüsschen im Braunschweiger Bürgerpark und schließt von dort den Kern der alten Fürstenstadt ein wie eine Art Insel; der östliche Arm fließt...
Manchmal passt alles fast zu gut zusammen: ein rotgoldener Logentraum von einem Rokoko-Theater, ein Stück aus eben jener Epoche, in dem es um ein maliziöses Menschenexperiment über die geschlechtsspezifische Schuldverteilung am Sündenfall der Untreue geht, und ein begnadeter Puppenspieler unserer Tage. Der österreichische Tausendsassa Nikolaus Habjan hat im...
