Bonn: Unter Brotkugel­beschuss

Lukas Linder «Supergutmann» (U)

Ist Gutmensch auch gleich Wutbürger? Der Gutmensch hat den Drang, den Fremden aufzuhelfen, der Wutbürger will den Staat bekämpfen. Der Wüterich ist gutgestellt, der Güterich ist armselig. Doch sind die Übergänge fließend. Und Größenwahn gibt es bei beiden Typen.

Der Titelheld von Lukas Linders neuem Stück «Supergutmann» ist verblüfft, wenn man ihn fragt, ob er ein Wutbürger sei, gegen die Bezeichnung «emotionaler Einzelkämpfer» protestiert er ebenfalls.

Sein Nachbar aber wird auf einer Bahre festgeschnallt, geknebelt für seinen «Wutschlaf», in dem er grässlich böse grollt und knurrt. Es schläft halt eine Wut in allen Bürgern. Wie aus einem netten jungen Mann, der Brot für alle backt und auch das Internet schnell reparieren kann, ein heldenhafter Kämpfer gegen staatliche Willkür und die Ungerechtigkeit der Welt wird, kann man in Linders soziologischer Charakteranalyse studieren.

«Parzival Pech» heißt der tumbe Tor, der stets das Gute will und doch das Böse schafft, mit komplexer Ironie. Er wohnt in einer Mietskaserne, Tür an Tür mit Ehepaar Werner, Frau Zuber und Irma, der alleinerziehenden Mutter. In der Bonner «Werkstatt» (Bühne: Hanna Lenz) sieht das aus wie das Männerheim in Roy ...

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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Gerhard Preußer

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