Bonn: Unter Brotkugel­beschuss

Lukas Linder «Supergutmann» (U)

Theater heute - Logo

Ist Gutmensch auch gleich Wutbürger? Der Gutmensch hat den Drang, den Fremden aufzuhelfen, der Wutbürger will den Staat bekämpfen. Der Wüterich ist gutgestellt, der Güterich ist armselig. Doch sind die Übergänge fließend. Und Größenwahn gibt es bei beiden Typen.

Der Titelheld von Lukas Linders neuem Stück «Supergutmann» ist verblüfft, wenn man ihn fragt, ob er ein Wutbürger sei, gegen die Bezeichnung «emotionaler Einzelkämpfer» protestiert er ebenfalls.

Sein Nachbar aber wird auf einer Bahre festgeschnallt, geknebelt für seinen «Wutschlaf», in dem er grässlich böse grollt und knurrt. Es schläft halt eine Wut in allen Bürgern. Wie aus einem netten jungen Mann, der Brot für alle backt und auch das Internet schnell reparieren kann, ein heldenhafter Kämpfer gegen staatliche Willkür und die Ungerechtigkeit der Welt wird, kann man in Linders soziologischer Charakteranalyse studieren.

«Parzival Pech» heißt der tumbe Tor, der stets das Gute will und doch das Böse schafft, mit komplexer Ironie. Er wohnt in einer Mietskaserne, Tür an Tür mit Ehepaar Werner, Frau Zuber und Irma, der alleinerziehenden Mutter. In der Bonner «Werkstatt» (Bühne: Hanna Lenz) sieht das aus wie das Männerheim in Roy ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
«Was läuft schief? – Alles!»

In einer charmant abgerockten Fabrikhalle in der szenigsten Gegend von Minsk sitzt ein nackter, rot bemalter Endvierziger und verspeist in hoher Frequenz gebratene Hühnerschenkel. Falls er den kleinen Geflügelberg, der sich da auf dem Tisch vor ihm auftürmt, tatsächlich aufessen wollte, hätte er ziemlich Menschenunmögliches vor.

Um eine Mission impossible scheint...

Schreiben wie für ein Konzert

Hat man schon mal einen Dramatiker erlebt, der die Sprache einen «Horror» nennt und dabei mit Wittgenstein argumentiert, dem Logikfreak und Sprachphilosophen? Österreicher, meint der Österreicher Thomas Köck, würden der Sprache so fremd gegenüberstehen, dass sie ihr nur auf der Ebene des Horrors begegnen, sonst würden sie gleich gar nicht reden. Und das könne man...

Freiburg: Beziehungsbiester

Ein Boxring, nur ohne Sicherheitsseil. Ein festungsfelsgraues Plateau, nur ohne Landschaft. Darauf zwei Sparringspartner, nur voneinander abgewandt. Die szenische Ausgangslage, die die niederländische Regisseurin Liliane Brakema im Freiburger Theater für August Strindbergs «Totentanz» wählt, spottet jeder Ehebeschreibung. Edgar und Alice, die verkannte...