Die Pointe stirbt zuletzt
Die Russen sind endgültig im Westen angekommen. Moskau ist kapitalistischer, dynamischer und luxuriöser als jede deutsche Stadt. Auch die Provinz ändert sich, langsamer zwar, aber unaufhaltsam. Der vom Westen eingeklagte Mangel an Demokratie ist nicht das, was die meisten Russen bewegt. Längst ist auch der Normalbürger an das globale Geflecht der Waren- und Informationsströme angeschlossen.
Konsequenterweise geht es auch in den Texten russischer Autoren nicht mehr so sehr um die kuriosen und katastrophalen Verwerfungen der post-sowjetischen Ära, sondern zunehmend um die Krisen innerhalb der bürgerlichen Lebenswelt. Dennoch erwarten wir von einem russischen Gegenwartsstück dieses Besondere und Extreme, das wir in unserer eigenen Erfahrung und auch bei den neuen deutschen Dramatikern oft vermissen.
Mit ihrem neuen Stück «Vor der Sintflut» haben die Brüder Presnjakow nun alles Originär-Russische abgelegt und somit die reale Entwicklung sowohl nachvollzogen als auch vorweggenommen. Ihr Stück spielt in einem imaginären europäischen Staat, der Euro ist die Währung, die Charaktere stammen aus der bürgerlichen Mittelschicht, von Osteuropa spricht man wie von einem armen Nachbarn oder ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 169
von Jörg Bochow
Am Anfang war das Feuer. Die Idee. Ein Waldbrand. Was geschieht, wenn Menschen mit archaischen Zuständen konfrontiert werden? Unvermittelt. Ungeschützt. Schon in ihrem Stück «Monsun» hat Anja Hilling am Ende die Fotografin Melanie in Vietnam einem ununterbrochenen Regen ausgesetzt, der alle Reste der Zivilisation fortspült und sie damit auf sich...
Die Zukunft unserer Gesellschaft wird alt aussehen, so viel hat sich inzwischen herumgesprochen. Wer heute mit 65 in Rente oder mit Ende 50 in den Vorruhestand geht, hat in der Regel ein Drittel seines Lebens noch vor sich. Es wird in Zukunft nicht nur mehr Alte als Junge geben, sondern jeder Einzelne wird in seinem Leben auch länger alt als jung sein....
Wie das denn gehen solle, jammere ich der Freundin telefonisch ins Ohr – ein Geheimnis entschlüsseln, ein Rezept für Erfolg analysieren. Und nein, nein sagen, ginge in dem Falle gar nicht, schließlich wolle man vor der Herausforderung nicht kneifen, und es sei ja auch eine Ehre, und – stimmt – man fühle sich in seiner Eitelkeit geschmeichelt – und jetzt säße man...
