Die Nackten und die Untoten

Jossi Wieler gräbt bei den Salzburger Festspielen ein Hofmannsthal-Frühwerk aus, Martin Kušej inszeniert «Maria Stuart»

Theater heute - Logo

Was schenkt man jemandem, der schon alles gesehen hat? Die Salzburger Festspiele wollten ihr Publikum zum 100-jährigen Jubiläum mit einem unbekannten Stück des Festspielgründers Hugo von Hofmannsthal überraschen: «Das Bergwerk von Falun», 1899 verfasst und zu Lebzeiten des Autors unveröffentlicht, war bisher nur wirklich guten Kennern von Hofmannsthals Werk ein Begriff; an die späte Uraufführung, 1949 in Konstanz, können sich ja nur noch die wenigsten erinnern.

Dass im Salzburger Landestheater dennoch keine rechte Feierstimmung aufkommen mochte, liegt zunächst daran, dass «Das Bergwerk zu Falun» stark melancholische, wenn nicht depressive Stimmung verbreitet. 

Im Mittelpunkt steht der junge Seemann Elis Fröbom, der gerade Vater und Mutter verloren hat und lebensmüde gestimmt ist. In einer Nebenrolle liegt ein junger Fischer, der vom Mast am Kopf erwischt wurde, im Koma. Und dann geistert noch der alte Bergmann Torbern durch die Szene, der eigentlich schon vor vielen Jahren gestorben ist, aber zum Weiterleben als Untoter verdammt ist. Historischer Hintergrund des Stücks ist die Geschichte eines 1677 kurz vor seiner Hochzeit in Falun verschütteten Bergmanns; seine Braut war noch am ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Kling, klang, klong

Die Einführungsvorlesung über den Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit hat der Rosshändler Kohlhaas bei Heinrich von Kleist offenbar verpasst. Nachdem ihm unrechtmäßigerweise zwei seiner Gäule beim Junker von Tronka zuschanden gequält worden sind, der fällige Prozess dann mit üblen Machenschaften hintertrieben wurde und auch noch seine Frau beim Versuch, ihm...

Späte Befreiung

Wer denkt sich so etwas aus? Eine Frau, genauer eine Jungfrau, die sich freiwillig einer göttlichen Eingebung unterwirft, allen irdischen Vergnügungen – Liebe! – abschwört und damit in einem patriotischen Feldzugstaumel ihr Land rettet. Am Ende stirbt sie nach einem dann doch gefühlsbedingten Zwischentief mit Gewissensprüfung auch noch den Heldentod. Schillers...

Sterben wie Oskar Werner

Als Josef Hader bei der Premiere die Bühne betritt, wird er vom Publikum im Wiener Stadtsaal mit Ovationen empfangen. «Sie sind ein bissl aufgeregt, gell?», sagt Hader. «Sie müssen sich keine Sorgen machen, ich mach’ das schon, mit meiner Premierenroutine.» Das ist die erste Pointe des Abends. Denn alle im Saal wissen: Keiner hat so wenig Premierenroutine wie der...