Kling, klang, klong
Die Einführungsvorlesung über den Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit hat der Rosshändler Kohlhaas bei Heinrich von Kleist offenbar verpasst.
Nachdem ihm unrechtmäßigerweise zwei seiner Gäule beim Junker von Tronka zuschanden gequält worden sind, der fällige Prozess dann mit üblen Machenschaften hintertrieben wurde und auch noch seine Frau beim Versuch, ihm Gerechtigkeit zu verschaffen, ihr Leben lässt, dreht er durch: Kohlhaas, der Wutbürger, plündert die Tronkenburg, mordet und brennt auf seinem Rachefeldzug, überfällt die Stadt Wittenberg und kann schließlich nur mit Mühe von Martin Luther überredet werden, sich zu stellen.
Kleists historische Novelle ist ein schönes Stück Schullektüre und wird gerne dramatisiert, jetzt auch in der Berliner Schaubühne. Wie würden sich Regisseur Simon McBurney und seiner Regiemitarbeiterin Annabel Arden entscheiden? Für den blutigen Rächer, gegen die korrupte Obrigkeit? Für den letztlich staatstreuen Lutherspruch, der den Bürger Kohlhaas in seine Schranken weist?
Weder noch. Sechs Mikrofonständer und Notenpulte stehen vor sechs Schauspielern, die sich in wechselnden Rollen – mit Ausnahme von Renato Schuch als Kohlhaas – um Scheinlockerheit ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille
Wer denkt sich so etwas aus? Eine Frau, genauer eine Jungfrau, die sich freiwillig einer göttlichen Eingebung unterwirft, allen irdischen Vergnügungen – Liebe! – abschwört und damit in einem patriotischen Feldzugstaumel ihr Land rettet. Am Ende stirbt sie nach einem dann doch gefühlsbedingten Zwischentief mit Gewissensprüfung auch noch den Heldentod. Schillers...
Was schenkt man jemandem, der schon alles gesehen hat? Die Salzburger Festspiele wollten ihr Publikum zum 100-jährigen Jubiläum mit einem unbekannten Stück des Festspielgründers Hugo von Hofmannsthal überraschen: «Das Bergwerk von Falun», 1899 verfasst und zu Lebzeiten des Autors unveröffentlicht, war bisher nur wirklich guten Kennern von Hofmannsthals Werk ein...
AALEN, THEATER DER STADT
2. nach Shelley, Frankenstein
R. Jonathan Giele und Marco Kreuzer
ALTENBURG/GERA, THEATER
2. nach Brussig, Helden wie wir
R. Manuel Kressin
5. nach Schami, Der Wunderkasten
R. Maria Preschel
8. nach Tschechow, Der Heiratsantrag und Das Jubiläum
R. Jan Jochymski
ANNABERG, EDUARD-VON-WINTERSTEIN-THEATER
4. Reffert, Ronny von Welt
R. Annelen...
