Kling, klang, klong
Die Einführungsvorlesung über den Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit hat der Rosshändler Kohlhaas bei Heinrich von Kleist offenbar verpasst.
Nachdem ihm unrechtmäßigerweise zwei seiner Gäule beim Junker von Tronka zuschanden gequält worden sind, der fällige Prozess dann mit üblen Machenschaften hintertrieben wurde und auch noch seine Frau beim Versuch, ihm Gerechtigkeit zu verschaffen, ihr Leben lässt, dreht er durch: Kohlhaas, der Wutbürger, plündert die Tronkenburg, mordet und brennt auf seinem Rachefeldzug, überfällt die Stadt Wittenberg und kann schließlich nur mit Mühe von Martin Luther überredet werden, sich zu stellen.
Kleists historische Novelle ist ein schönes Stück Schullektüre und wird gerne dramatisiert, jetzt auch in der Berliner Schaubühne. Wie würden sich Regisseur Simon McBurney und seiner Regiemitarbeiterin Annabel Arden entscheiden? Für den blutigen Rächer, gegen die korrupte Obrigkeit? Für den letztlich staatstreuen Lutherspruch, der den Bürger Kohlhaas in seine Schranken weist?
Weder noch. Sechs Mikrofonständer und Notenpulte stehen vor sechs Schauspielern, die sich in wechselnden Rollen – mit Ausnahme von Renato Schuch als Kohlhaas – um Scheinlockerheit ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille
Wir, die Vereinigung belarussischer Theater (Belarus Theatre Community), sind ein unabhängiger Zusammenschluss der Theaterschaffenden in Belarus, der sich gegen die Rechtsverstöße und die Gewalt der Regierung nach den Präsidentschaftswahlen im August 2020 ausgesprochen hat. Wir bitten unsere Kollegen und die Theaterinstitutionen weltweit um Solidarität und...
Auf einer Alsterwiese spielen Menschen. Sie werfen sich eine Plastikflasche zu, und wer die Flasche fallenlässt, legt ein Kleidungsstück ab, erst Schuhe, dann Shirt, dann Slip. Und bald ist alles ein großes Kichern, ein Klatschen von Haut auf Haut, ein Wackeln von Brüsten und Schwänzen. Es sind sexuell aufgeladene Bilder, die hier entstehen, aber gleichzeitig sind...
Dass die antike Hochkultur der Griechen als Wiege Europas gilt und in Athen mit der Einführung eines auf Volkssouveränität basierten Geschworenengerichts ein erster Schritt hin zu einem demokratischen Gemeinwesen gewagt wurde, ist noch heute die Voraussetzung für die Erzählung von den «universellen Werten», denen die Europäer sich eigentlich verpflichtet fühlen...
