Die Macht der Frauen
So eine Nebelmaschine ist eine vielseitige Erfindung. Sie ist äußerst kostengünstig im Einsatz, sie hat, wenn die weißen Wolken schweben, einiges an atmosphärischer Kraft; sie verschluckt, großzügig angewendet, problemlos Menschen und spuckt sie andernorts wieder aus, und sie ist auch metaphorisch äußerst flexibel. Der feine Dunst kann einiges bedeuten: Von Vergangenheit im Ungefähr über Einsamkeit und Zersplitterung mit Untertönen von Wehmut und Schmerz: das perfekte Tool für sensible Romantiker, verunsicherte Gegenwartsdiagnostiker oder beide.
Vor allem ist so eine Nebelwand der ideale Zusammenhangskitt für Leute, die nur sehr oberflächlich, zufällig oder über andere sechs Ecken miteinander zu tun haben. Zum Beispiel dysfunktional atomisierte Kleinfamilien, deren emotionaler Zusammenhang längst in den Zustand von Bauschutt übergegangen ist, die aber über Tradition, gemeinsame Konten oder eine herzliche Gewaltgeschichte immer noch untrennbar verbunden sind und im Lauf der Jahre ein paar zufällige Lebenstrabanten um sich herum angehäuft haben. Wenn solche Leute in eine Nebelmaschine geraten, die ihnen den nötigen diffusen Rückhalt gibt, kann es sogar richtig spannend werden.
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Die Zukunft wird weiblich», versprach das Badische Staatstheater Karlsruhe zum Saisonstart, und verwies damit zunächst mal aufs eigene Personal: Seit Sommer sind vier der fünf Spartenleitungen weiblich besetzt (das Junge Staatstheater bildet mit Otto A. Thoß die Ausnahme), und Schauspieldirektorin Anna Bergmann hat für ihre erste Spielzeit ausschließlich...
Penelope sitzt in Ithaka und fragt sich, warum ihr Mann nicht nach Hause kommt. Schließlich ist der Krieg schon seit einiger Zeit vorbei. Von den vielen Möglichkeiten, die die Gattin des Odysseus in Gestalt von Karina Plachetka rampennah durchspielt, hält sie die letzte für die wahrscheinlichste: «Er will nicht zurückkommen», spricht sie tapfer ins Parkett...
Die Lüge gibt es bekanntlich in unterschiedlich großem Zuschnitt. Meist hat sie kurze Beine und hoppelt als lässliche Schummelei daher. Manchmal wächst sie sich zu etwas Größerem aus, zum echten Trugbild, zum Bluff, zum Lügengespinst womöglich. Da streift sie dann schon die Sphäre des Künstlerischen. Aber nur ganz selten zeigt sich die elementare Lüge, die Lüge im...
