Die letzte Bastion
Traut sitzt die Familie vorm Fernseher. Die Gesichter im «geschmackvoll ausgeleuchtet(en)» Wohnzimmer illuminiert «wie auf einem Gemälde von Bellini», erwartet sie den Ehemann beziehungsweise Vater – Jan – auf dem Flatscreen, und zwar in seiner Premierenrolle als Boulevardmoderator: Kathrin mit entsprechender Gattinnen-Nervosität («Wie würde ihr Mann sich präsentieren?»), die Teenager-Kinder Lale und Severin wie «bleiche Marionetten» in die «Sitzecke» gequetscht.
Zwar weiß man in dieser Eingangsszene des neuen Romans von Thomas Melle noch nichts von der Swingerparty in der Cineasten-Peergroup, zu der Kathrin einige Seiten später aufbrechen wird. Und man kennt auch die anonymen Nachrichten noch nicht, die alsbald auf Jans Handy aufploppen. Fest aber steht bereits hier: Es kann nur bergab gehen. Und zwar steil.
Natürlich ist «Das leichte Leben» nicht der erste Text, der das Kulturmilieu unserer Gesellschaft der Singularitäten unter die Lupe nimmt, auch nicht der erste von Thomas Melle. Und zweifellos besitzen die abstiegsbegleitenden Topoi, derer er sich bedient, ebenfalls längst Klassiker-Status: innereheliches Sex-Ende nebst außerehelicher -Anbahnungsfantasien, Affären (ja, auch ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christine Wahl
Abermals ein verpasster Aufbruch. Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg bleiben nicht über 2024 hinaus am Schauspielhaus Zürich. Zuletzt erwiesen sich ihre Verlängerungsverhandlungen mit dem Verwaltungsrat und der Stadt als derart zäh, dass man sich eine gemeinsame Zukunft nicht mehr vorstellen mag. «Leider konnten wir uns trotz großem Bemühen auf allen Seiten...
Es ist eine sehr amerikanische Geschichte um Geld, Macht und natürlich Liebe. «The Great Gatsby» von F. Scott Fitzgerald, mittlerweile fast 100 Jahre alt, bietet sich auch oder gerade heute an, da die 1920er gerade wieder popkulturell erschlossen werden. In Cottbus hat Philipp Rosendahl, seit dieser Spielzeit zusammen mit Armin Petras und Franziska Benack (beim...
Saioa Alvarez Ruiz, 32, sitzt nach 2 Stunden, 40 Minuten Tanzen, Strippen und Schwimmen in «Ophelia’s Got Talent» im Foyer der Berliner Volksbühne und wirkt so energiegeladen, als wäre sie gerade erst aufgestanden.
Anna Fastabend Wie geht es Ihnen, Frau Alvarez?
Saioa Alvarez Ruiz Gut. Ich bin glücklich und wieder warm nach der heißen Dusche, die sehr nötig war.
