Die letzte Bastion

Thomas Melle porträtiert in «Das leichte Leben» ein Ehepaar seiner Zeit

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Traut sitzt die Familie vorm Fernseher. Die Gesichter im «geschmackvoll ausgeleuchtet(en)» Wohnzimmer illuminiert «wie auf einem Gemälde von Bellini», erwartet sie den Ehemann beziehungsweise Vater – Jan – auf dem Flatscreen, und zwar in seiner Premierenrolle als Boulevardmoderator: Kathrin mit entsprechender Gattinnen-Nervosität («Wie würde ihr Mann sich präsentieren?»), die Teenager-Kinder Lale und Severin wie «bleiche Marionetten» in die «Sitzecke» gequetscht.

Zwar weiß man in dieser Eingangsszene des neuen Romans von Thomas Melle noch nichts von der Swingerparty in der Cineasten-Peergroup, zu der Kathrin einige Seiten später aufbrechen wird. Und man kennt auch die anonymen Nachrichten noch nicht, die alsbald auf Jans Handy aufploppen. Fest aber steht bereits hier: Es kann nur bergab gehen. Und zwar steil.

Natürlich ist «Das leichte Leben» nicht der erste Text, der das Kulturmilieu unserer Gesellschaft der Singularitäten unter die Lupe nimmt, auch nicht der erste von Thomas Melle. Und zweifellos besitzen die abstiegsbegleitenden Topoi, derer er sich bedient, ebenfalls längst Klassiker-Status: innereheliches Sex-Ende nebst außerehelicher -Anbahnungsfantasien, Affären (ja, auch ...

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Theater heute März 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christine Wahl

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