Diese entsetzliche Lücke!
Profiteure gibt es immer, auch wenn die Gletscher schmelzen. In der sibirischen Kältekammer Jakutsk machen sich Mammutdealer daran, vom Permafrost befreite Mammutzähne auszugraben, schließlich lässt sich Fairtrade-Elfenbein auf dem Markt gut verkaufen, für die Stoßzähne aus dem Eis musste schließlich kein Elefant sterben. In der Schweiz hingegen verschwindet der Gipfel des Matterhorns: «Das Bergpanorama / ist immer noch ein Bergpanorama / aber mit einem Loch in der Mitte / Diese entsetzliche Lücke.» Touristisch ist das ein Desaster.
Postkarten müssen neu gedruckt werden, und noch schlimmer: Die Verpackung der Toblerone-Schokolade muss verändert, jeder einzelne Riegel aus dem Regal genommen und eingeschmolzen werden, weil die dreieckige Form nicht mehr stimmt.
Schmerz und Scherz gehen in Selma Matters Klimastück «Grelle Tage», das nun im Wiener Schauspielhaus uraufgeführt wurde (Regie: Charlotte Lorenz), leichtfüßig Seit an Seit. Drei Standorte, die untereinander verschränkt sind – die Handlung spielt zum Großteil parallel –, schlagen sich mit den verheerenden Auswirkungen der Klimakrise herum. Während in Jakutsk Häuser im Schlamm versinken und Archäologen und Mammutjäger sich um ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Karin Cerny
Abermals ein verpasster Aufbruch. Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg bleiben nicht über 2024 hinaus am Schauspielhaus Zürich. Zuletzt erwiesen sich ihre Verlängerungsverhandlungen mit dem Verwaltungsrat und der Stadt als derart zäh, dass man sich eine gemeinsame Zukunft nicht mehr vorstellen mag. «Leider konnten wir uns trotz großem Bemühen auf allen Seiten...
Seit einigen Wochen bin ich auf einer Zeitreise, gehe gedanklich zurück an meine Anfänge als Dramaturgin und erlebe die Jahre in Dresden aus dem Rückblick. Mein langjähriger Chefdramaturg und Intendant Dieter Görne ist gestorben. Meine Trauer ist groß.
Groß ist auch das Erbe, das er hinterlassen hat. Mir und anderen. Davon will ich erzählen. Ich durchforste...
Die Tür klemmt, fliegt dann mit einem Ruck auf, ein Knäuel Personen poltert in die leere Altbauwohnung, die Letzte bleibt mit ihrer Handtasche am Türknauf hängen. Huch! In der ersten Sekunde ist eigentlich alles klar über diesen Abend, «Der Haken», uraufgeführt am Schauspiel Bonn in der Regie von Roland Riebeling: Schauspielerisch sind alle ständig etwas drüber,...
