Die längeren Denkbögen
Eva Behrendt Lassen Sie uns über Selbstbewusstsein reden! Moment, Selbstbewusstsein ist vielleicht nicht das richtige Wort. Es ist eher ein Nicht-gefallen-Müssen, das mir auffällt, wann immer ich Sie auf der Bühne oder Leinwand sehe. Ist Selbstbewusstsein die Voraussetzung für das Nicht-gefallen-Müssen?
Sandra Hüller Vielleicht meinen Sie Selbstvertrauen? Selbstbewusstsein hat im Grund ja nur damit zu tun, dass man sich seiner selbst bewusst ist.
Dieses Bewusstsein über sich selbst im Moment und im Bezug zu allen Dingen und Wesen um sich herum ist etwas Autarkes. Man ist sich über seine Beziehungen und Abhängigkeiten sehr im Klaren. Gefallen-Wollen dagegen ist ein sehr abhängiges Gefühl. Tatsächlich habe ich von Kindesbeinen an die Frage gehabt, ob Leute mich mögen – aber wenn ich spiele, versuche ich, mich davon frei zu machen. Mir ging es, glaube ich, immer darum, dass meine Figuren verstanden werden, dass man ihre Bewegungen und Ausschläge nachvollziehen kann. Gefallen-Wollen würde mich dabei hemmen.
EB Ende August kommt Visar Morinas Film «Exil» ins Kino. Darin spielen Sie die deutsche Ehefrau eines Pharmaingenieurs mit albanischen Wurzeln, der sich – ob zu Recht oder Unrecht, ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 80
von Eva Behrendt
Schon seit der Erfindung der modernen Polizei gehören zu ihrer grundlegenden Architektur der unauflösbare Widerspruch zwischen Recht und Unrecht und ein unkontrollierbares Gewaltpotenzial. Dieser Gedanke hat Björn SC Deigner dazu bewogen, Friedrich Schillers Fragment «Die Polizey» als Ausgangspunkt für die eigene Fortschreibung und Untersuchung der dunklen Punkte...
Sie sind dreizehn. Sie sind Tänzerinnen. Sie sind ambitioniert. Sie sind Freundinnen. Sie sind Konkurrentinnen. Sie entdecken ihren Körper, und ihr Körper entdeckt sie. Sie sind voller Kraft. Sie wollen siegen. Zusammen sind sie eine kleine Armee. Zuzu, Ashlee, Amina, Conny, Sofia, Maeve und Luke. Sie wollen die Welt verändern, und sie könnten es; ob es gelingt –...
Im Grunde ist Corona eine Art von biologischem Aktivismus. Das globale Virus funktioniert wie eine «Occupy»-Aktion, die in London oder New York die Straßen lahmlegt. Und in dieser zwangsvollstreckten Pause eine andere Art von Gespräch erzwingt oder ermöglicht. Diese Ausnahmesituation erinnert mich an die Generalaussprache der Revolution von 1989 – auch sie hat die...
