Die längeren Denkbögen

Sandra Hüller hat zuletzt nicht nur den Gertrud-Eysoldt-Ring, sondern auch den Berliner Theaterpreis gewonnen; jetzt wird sie zum vierten Mal Schauspielerin des Jahres. Ein Gespräch übers Nicht-gefallen-Müssen, ihre Rolle als Hamlet und das Spielen im Bochumer Ensemble

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Eva Behrendt Lassen Sie uns über Selbstbewusstsein reden! Moment, Selbstbewusstsein ist vielleicht nicht das richtige Wort. Es ist eher ein Nicht-gefallen-Müssen, das mir auffällt, wann immer ich Sie auf der Bühne oder Leinwand sehe. Ist Selbstbewusstsein die Voraussetzung für das Nicht-gefallen-Müssen?

Sandra Hüller Vielleicht meinen Sie Selbstvertrauen? Selbstbewusstsein hat im Grund ja nur damit zu tun, dass man sich seiner selbst bewusst ist.

Dieses Bewusstsein über sich selbst im Moment und im Bezug zu allen Dingen und Wesen um sich herum ist etwas Autarkes. Man ist sich über seine Beziehungen und Abhängigkeiten sehr im Klaren. Gefallen-Wollen dagegen ist ein sehr abhängiges Gefühl. Tatsächlich habe ich von Kindesbeinen an die Frage gehabt, ob Leute mich mögen – aber wenn ich spiele, versuche ich, mich davon frei zu machen. Mir ging es, glaube ich, immer darum, dass meine Figuren verstanden werden, dass man ihre Bewegungen und Ausschläge nachvollziehen kann. Gefallen-Wollen würde mich dabei hemmen.

EB Ende August kommt Visar Morinas Film «Exil» ins Kino. Darin spielen Sie die deutsche Ehefrau eines Pharmaingenieurs mit albanischen Wurzeln, der sich – ob zu Recht oder Unrecht, ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 80
von Eva Behrendt

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