Auf der Pausentaste

Für ein esoterisches Theater

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Im Grunde ist Corona eine Art von biologischem Aktivismus. Das globale Virus funktioniert wie eine «Occupy»-Aktion, die in London oder New York die Straßen lahmlegt. Und in dieser zwangsvollstreckten Pause eine andere Art von Gespräch erzwingt oder ermöglicht. Diese Ausnahmesituation erinnert mich an die Generalaussprache der Revolution von 1989 – auch sie hat die Pausentaste gedrückt. Bevor der Einheitsvertrag, der Beitritt kam, gab es den kollektiven Versuch und die experimentelle Praxis der Ostdeutschen, ihre gesamte Gesellschaft auf allen Ebenen neu zu denken.

Danach kam das Alte.

Die kriseninduzierte Nachdenklichkeit der Covid-Wochen bewirkt nun die erste Generaldebatte unseres kapitalistischen Betriebssystems – keine Gewerkschaft, kein Fundamentalismus und nicht mal die Teenager im Verständnis von Jon Savage haben das bewirkt. Was wir Menschen, Tieren, Landschaften und dem gesamten Ökosystem antun, kommt in der Krise zur Sichtbarkeit und zur wahren Empfindung. Weltanschaulich war Corona die erste planetarische Katastrophe, die ich erlebt habe.

Politisch wirkt Corona wie ein Entwicklerbad in der analogen Fotografie: Was vorher nur ein latentes Bild war, wird nun manifest. Das ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 48
von Thomas Oberender

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