Fun ist ein Schaumbad
Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian Andersen zum 200. Geburtstag zu ehren?
Kaum. Die Volksbühne hatte vorgewarnt: Die «märchenüblichen pornographischen Elemente» stünden dem unbegleiteten Besuch Minderjähriger unbedingt entgegen.
Und auch der Umstand, dass Castorf das Andersen-Märchen schon im Titel ganz, ganz nah an sich selbst herangezogen hat, ließ kindliche Ausschweifung eher als väterliche Zuwendung vermuten. «Meine Schneekönigin» heißt der Abend zur Weihnachtszeit, und manch biographisches Castorf-Detail wurde eingebaut, wie der sporadische Kirchgänger der Zeitung preisgab: Onkel Paul zum Beispiel, der die Unterhose des kleinen Frank direkt am nackten Hintern glatt bügelte («ich hatte Brandblasen!»), Tante Helga, «ein vollbusiger Liz-Taylor-Typ», die den erkälteten Knaben mit Wick Vaporub einrieb, in Watte packte und mit Bandagen einschnürte – «etwas ...
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Thomas Bernhard und Nürnberg – damit könnte man es sich sehr einfach machen: «… wie dieser schreckliche Ur- und Vor-Nazi Dürer», heißt es an einer Stelle in den «Alten Meistern», «der die Natur an die Leinwand gestellt und getötet hat, dieser schauerliche Dürer, wie Reger sehr oft sagt, weil er Dürer tatsächlich zutiefst hasst, diesen Nürnberger Ziselierkünstler.»
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Eigentlich wollte Andrzej Stasiuk sein erstes Theaterstück seinen verstorbenen Großmüttern widmen. Beiden hat der polnische Schriftsteller viel zu verdanken: «Sie wunderten sich nicht. Die eine nahm die Gegenwart der Geister wie selbstverständlich, für die andere war es alltäglich, dass dieser oder jener sie erschießen wollte.» Auch Andrzej Stasiuk hatte daheim im...
Er ist angekommen. Das lange Theater-Leben des Peter Palitzsch endete, von wo es ausging. Sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße, Berlin Mitte, liegt einige Dutzend Meter entfernt von dem Findling mit dem Namen Bertolt Brecht. Dazwischen das Grab Hegels, dessen idealistische, auf Synthese zielende Dialektik Brecht – und Palitzsch –...
