Die Kunst, nicht alles zu vergessen
Hans Städeli hatte es «streng» am 29. Januar 1956. Ein «Dreiteiler» stand an. So hieß im Jargon der Zürcher Bühnenarbeiter eine Tagesschicht, in der sie dreimal zum Auf- und Abbauen antanzen mussten. Tagsüber gabs Repertoire, abends eine Uraufführung, die als Meilenstein der Theatergeschichte gilt – und Friedrich Dürrenmatt reich und berühmt machen sollte: «Der Besuch der alten Dame».
Städeli, heute ein Endsiebziger mit trockenem Schweizer Witz, früher Bühnenbildner und Dozent an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst, schob damals die Güllener Kulissen auf die Pfauenbühne. Auf der Bühne standen Therese Giehse als mordlüsterne Milliardärin, Gustav Knuth als Ill, der Liebesverräter.
Hans Städeli blieb unsichtbar an jenem Abend. Weil aber das Regie-Trio Rimini Protokoll den Mythos um den allerersten «Besuch der alten Dame» im Auftrag der Zürcher Festspiele rekonstruieren durfte, steht Städeli nun auf der Bühne, gemeinsam mit acht anderen Zeitzeugen, welche die Riminis Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel gern ihre «Experten des Alltags» nennen. Keine Schauspieler, sondern Menschen, die sich selbst verkörpern. Sich und ihr Gedächtnis. So will es der Dokumentarstil, ...
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So sieht also der Himmel aus, jedenfalls der von Psychiater Königsforst, 57, aus Wolfen: Kurz nachdem der doppelte Selbstmordversuch mit Gattin Helga kläglich gescheitert ist, ergreift den Mann ein völlig neues Körpergefühl. Peter Kurth wischt sich den erbrochenen Pillenbrei von der Brille, pumpt die Lungen voll Morgenluft, reißt den mittelbraunen Anzug vom Leib,...
