Platzende Herzen
Was hat die Mutter ihrem Sohn zu sagen, der auf seine Hinrichtung wartet? Eine zerbrechliche alte Frau stolpert langsam in Richtung Rampe, in ein wollenes Tuch gewickelt, Mitbringsel für ihren Jungen in der Hand. Zitternd und distanziert trifft sie ihn an.
Eigentlich möchte sie ihm von ihrer Trauer erzählen, aber stattdessen entringt sich ihr eine kleinliche Schimpfkanonade: Wie er seiner Familie das antun konnte? Warum er um Himmels willen den Regierungsbeamten in die Luft jagen wollte? Wie sein Vater denn nun mit seinem rücksichtslosen Benehmen fertig werden solle? Kochend vor Zorn antwortet der Sohn. Zurück aus dem Gefängnis, verläuft die alte Frau sich verzweifelt und dem Wahnsinn nahe im Straßengewirr des alten Moskau, ihrer Geburtsstadt. Plötzlich erscheint ihr der Sohn, dreht sich im Takt eines traurigen Walzers und bringt einen Hochzeitstoast auf sie aus. Alles dreht sich in ihrem Kopf, bald verliert sie ihn ganz und sich selbst in diesem Alptraum, schließlich sehen wir einen Fremden ihren leblosen Körper aufnehmen.
Mindaugas Karbauskis’ Inszenierung der 98 Jahre alten Erzählung «Die sieben Gehenkten» von Leonid Andrejew im Moskauer Oleg-Tabakow-Theater ist ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Sprachschablonen sind schnell auf einen Nenner gebracht: «Ich habe mir in der Sache nichts vorzuwerfen, um aber Schaden von Amt oder Partei abzuwenden, sehe ich mich dazu gezwungen ...» Ob es um Schwarzgeldmillionen oder Bonusmeilen geht, um Einkaufswagenchips oder echt große Beträge – Rücktritte gehören wie Wahlkämpfe zu den durchinszenierten Manövern in der...
In den letzten beiden Jahren auf Teneriffa unterzog sich der mit Depressionen und Ehekrisen kämpfende Dichter Franz Xaver Kroetz nach jahrelanger TV-Abstinenz einem aufopferungsvollen Selbstversuch und hätte sich dabei mittels Fernbedienung und Satellitenempfang Dutzender deutscher Privatkanäle wohl beinahe den Goldenen Schuss gesetzt. «Tänzerinnen + Drücker»...
Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...
