Die kritische Masse
Gewerkschaftsarbeit, seien wir ehrlich, ist ein Wort, bei dessen staubigem Klang sich normalerweise Hustenreiz einstellt. So war es jedenfalls, bis Ende März Lisa Jopt in einem YouTube-Video sich und ihre «Modernisierungsagenda» den Mitgliedern der Genossenschaft deutscher Bühnenarbeiter:innen vorstellte: In vierzig sachlichen und doch unterhaltsamen Minuten erklärt die 1984 geborene Schauspielerin, warum sie genau die Richtige für den Job der GdBA-Präsidentin ist.
Einmal, weil sie im Team schon ziemlich erfolgreich das von ihr 2015 mitgegründete ensemble-netzwerk zu einem immerhin 1049 Mitglieder starken Interessenverband gemacht hat, der aus der deutschsprachigen Theaterdiskurslandschaft nicht mehr so leicht wegzudenken ist. Dann, weil sie einen konkreten Plan hat, wie der NV-Solo reformiert werden muss. Und drittens, weil ihr zusätzlich noch sieben weitere «Impulse» einfallen, die ein altehrwürdiger Arbeitnehmerverein wie die GdBA dringend benötigt, um überhaupt attraktiv für neue Mitglieder zu werden.
Vermutlich wurde Jopt im Mai nicht nur wegen ihres Videos tatsächlich zur ersten (designierten) Präsidentin des 150-jährigen Traditionsvereins gewählt. Aber dass sie sämtliche ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 40
von Eva Behrendt
«Einfach das Ende der Welt» – dieser Titel könnte in jüngster Zeit auch andere Assoziationen wecken, als Jean-Luc Lagarce 1990 im Sinn hatte. Der 1995 an Aids gestorbene französische Dramatiker erzählt in seinem Theaterstück «Juste la fin du monde» die Geschichte des todkranken Künstlers Louis, der nach jahrelanger Abwesenheit zu Mutter und Geschwistern in die...
Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer...
Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist...
