Die Kraft der Schwere
Sarah Calörtscher hat es mit einer gründlich desillusionierten Menschheit zu tun. Im «Herz aus Polyester» kämfen die Erdlinge mit zwei unschönen Problemen: Ihr Planet wird nachhaltig unbewohnbar, und es grassiert eine Seuche, die bei den Betroffenen für langsame Plastifizierung sorgt. Es beginnt in den Fingerspitzen, die zunehmend taub werden, bis die armen Plastifikanten durch und durch erstarren und nur noch kleine Ölspuren hinter sich her ziehen.
Verständlich, dass mensch zum Mars auswandern möchte, erste Elite-Kolonien bestehen dort bereits, und für die rettende Auswahl der passenden Kandidaten sorgt ein ziemlich autoritär schnarrender Algorithmus.
Aber Erdling bleibt Erdling. In Calörtschers allegorischem SciFi-Drama sorgen die drei im Auswahlverfahren erst für ungute Binnenkonkurrenz und später werden sie die einzige Chance auf ihr Glück vergeben. Der an sich seelenlose Algorithmus verliebt sich nämlich unvermutet in seine Menschen und produziert einen «Muskel der Hoffnung», das titelgebende Herz aus Polyester. Allerdings nur mit dem ernüchternden Ergebnis, dass sich die drei Menschlein drum streiten und es zerfleischen. Mit von der Partie sind außerdem noch zwei ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Franz Wille
Peter Eschberg, der jetzt im steirischen Ort Kirchberg im Alter von 87 Jahren starb, war nach seiner Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar ein an den Münchner Kammerspielen (1959–1962), an den Frankfurter Städtischen Bühnen (1963/64) und an den Westberliner Theatern Freie Volksbühne und Schaubühne am Halleschen Ufer (1964–1966) erfolgreicher, mit leichtem Sinn...
Überall herrscht Mangel, ob in Kitas, Schulen oder Krankenhäusern. Und das in Deutschland, dem wirtschaftlich stärksten Land der Europäi -schen Union. Doch die großen Investitionen bleiben aus. Zu viele Staatsschulden. Noch mehr davon sind auf keinen Fall drin: Die Schuldenbremse muss schließlich eingehalten werden. Doch was wäre, wenn jede Person dieses Landes...
Wer die Hoffnung hegt, dass Frauen die besseren Menschen sind, insbesondere sich feministisch lesende, gut gebildete, diverse, postmigrantische, nachhaltig lebende, einander zugewandte Mittelschichtsfrauen im gerne auch besserverdienenden Hauptstadt-Umfeld, könnte enttäuscht werden. Das neue Stück von Golda Barton, einem Pseudonym aus dem Umfeld der Schauspielerin,...
