Willst du mich verpapageischaukeln?
Die Familie Gollwitz hat einen Vogel. Einen ziemlich großen sogar. Links neben dem roten Sofa hängt eine überdimensionale Papageienschaukel, rechts prunkt ein Meisenknödel im Netz, Durchmesser: gut ein halber Meter. Das liebe Vieh aber steht vorn an der Rampe, federt locker im Kniegelenk und krächzt flügelschlagend ins Publikum: «Gudn Aahmd!»
Der Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch ist der neue Curt Goetz, zumindest am Neuen Theater Halle.
Nach Goetz’ «Das Haus in Montevideo» bringt er den (auch von Goetz einst bearbeiteten) «Raub der Sabinerinnen» der Brüder Schönthan, den Schwank aller Theaterschwänke, zum Hyperventilieren: Gymnasiallehrer Gollwitz hat in seiner Jugend eine römische Tragödie geschrieben, die sich Striese, Direktor eines erfolglosen Schmierentheaters, unter den Nagel reißt, um daraus eine unfreiwillige Komödie und einen überraschenden Publikumserfolg zu machen. Bevor es dazu kommt, dreht der Gollwitz-Clan grundlos am Rad: Für Fritsch Grund genug, den sprichwörtlichen Vogel buchstäblich zu inszenieren.
In einer mehr pragmatischen als feministischen Volte hat er zudem aus Striese eine Intendantin gemacht, für die Danne Hoffmann neben ...
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Theater heute Ob «Baader Meinhof Komplex» oder «Operation Walküre», ob Armin Petras’ «Rummelplatz» oder Volker Löschs «Wunde Dresden» – Filme und Theaterinszenierungen fangen wieder an, deutsche Geschichten, deutsche Geschichte zu erzählen. Wenn man begriffstechnisch etwas höher greift, kann man übergreifende historische Großerzählungen auch Mythen nennen. Herr...
Was ist eigentlich aus dem «Ende der Geschichte» geworden? Dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama zufolge hat es bereits vor zwanzig Jahren stattgefunden, als sich der Weltgeist nach langem Ringen im Kalten Krieg schließlich für Kapitalismus und Demokratie entschied. Seither leben wir im Posthistoire – und haben vor allem Geschichte im Kopf.
Wenn...
Adolf Hitler war ein verschrobener Kerl, dem die Hände zitterten. Andreas Baader war ein ungehobelter Macho, der gern mit Pistolen fuchtelte. Claus Graf Stauffenberg war ein Aristokrat der Tat, der beinahe das Schicksal ausgebremst hätte. Die DDR war ein dekadentes Funktionärsregime, in dem Kunst nur der Anbahnung von Sex diente. Die DDR war ein Paradies mit...
