Die Konstruktion des Fremden
Die Germanen waren furchterregend und lächerlich, unkultiviert, mehr Tiere als Menschen, arbeitsscheu und dumm – und außerdem blau angemalt, berichtet der Römer Tacitus so herablassend wie fasziniert in seinen «Annalen» im Jahr 98 n. Chr. und fügte nicht ganz unzutreffend hinzu: «Wer wollte auch das milde Klima, die sonnenreichen Breiten um das blaue Mittelmeer verlassen für ein Land, so hässlich und so trostlos.
» Irgendwie beeindruckte ihre übermenschliche Stärke ihn allerdings auch, immerhin hatten sie die von Feldherr Varus geführten römischen Legionen vernichtend geschlagen, bekanntlich im Teutoburger Wald.
Tacitus’ umstrittener Text, der die «Fremden» entmenschlicht, über den Kamm schert, mit Klischees überdeckt, die bis heute gültig sind, ist die Grundlage des Abends «GERMANIA. Rö -mischer Komplex», eine erneute Kooperation des Theaters an der Ruhr mit dem italienischen Theaterkollektiv ANAGOOR und seinem Regisseur Simone Derai. Tacitus’ Text wird am Anfang vom italienischen Schauspieler Marco Mene -goni ins Mikro gesprochen, er steht neben vier Bildschirmen, die den Text rhythmisch und großbuchstabig in die Hirnhaut brennen. Wenig später sehen wir im Video, wie dem ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Dorothea Marcus
Jürgen Otten Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Iurii Samoilov Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich...
ALTENBURG/GERA, TPT
2. King, Foxfinder
R. Louis Villinger
23. Haidle, Alles muss glänzen
R. Matthias Thieme
29. McDonagh, Der Krüppel von Inishman
R. Manuel Kressin
AUGSBURG, SENSEMBLE
14. Löhle, Genannt Gospodin
R. Gianna Formicone
BADEN-BADEN, THEATER
8. Ibsen, Gespenster
R. Otto Kukla
29. McArthur nach Austen, Stolz und Vorurteil* (*oder so)
R....
Der Planwagen der Marketenderin Anna Fierling, sagt der aus Togo stammende Regisseur Ramses Alfa, erinnere ihn immer an die Erntehelferinnen oder Straßenverkäuferinnen, die in seiner Heimatstadt Lomé auf der Suche nach Kundschaft mit schwerem Gepäck aus Limonaden, Früchten und Stoffen um die Häuser ziehen, um ihren Familien ein minimales Einkommen zu sichern. Und...
