Die Kompromisslose
Zuerst schiebt sich eine Hand – sie ist runzelig – ins Bild, die in einem Regal nach einer Tüte Milch greift. Eine alte Frau unter einem Kopftuch schlurft an die Ladenkasse und zahlt 49 Pence für das Lebensmittel. Margaret Thatcher kannte immer den Preis – den für Milch, den für die Prosperität Englands, den für die eigene Karriere und den für den Ruhm. Denis, ihr Ehemann (Jim Broadbent), ist längst tot, aber er sitzt mit am Frühstückstisch und teilt mit ihr das Geisterhaus der Erinnerungen.
Ihr Versuch, das Angesammelte in den Schränken und in den Ablagerungen ihres Gehirns zu entrümpeln, setzt die dramaturgische Mechanik dieser Film-Biografie in Gang. Dies und das Halluzinieren.
Die frühere Premierministerin leidet an Alzheimer. Von der Gegenwart des Gedächtnis–schwunds aus betreibt sie Selbstbeschau, ohne dass die Technik der Rückblende hier sonderlich souverän, originell und Erkenntnis stiftend bedient würde. (Wie sehr trägt im Vergleich Clint Eastwoods Montage-Methode in «J. Edgar» zur Entschlüsselung seiner Hauptfigur Hoover bei.) In «The Iron Lady» stellt sie unter der Regie von Phyllida Lloyd eher den Notnagel dar, an dem die verschiedenen Porträts der 1925 geborenen ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 60
von Andreas Wilink
Am Anfang war die Vorhaut, und sie war schnell weggeschnitten. Rituale haben an diesem Abend Konjunktur. Es geht um Juden, Christen, Antisemitismus und Shakespeare. Barry Kosky und seine Dramaturgin Susanne Goldberg haben den «Kaufmann von Venedig» radikal zusammengestrichen. Sie verzichten auf einen Teil der Schauplätze, Handlungsstränge und Figuren und haben dem...
Es ist für uns unglaublich schwierig, diese Stelle kompetent zu besetzen.» Ist hier die Rede von einer Hauptdarstellerin oder einem neuen Chefdramaturgen? Nein: Tobias Veit, der künstlerische Produktionsleiter der Berliner Schaubühne, stöhnt über die nicht enden wollende Suche nach einer neuen Souffleuse.
Wie schwer kann es schon sein, mit dem Textbuch in der Hand...
Alle drei Abschnitte des neuen Stücks von Philipp Löhle (Jahrgang 1978) heißen «Kr(e)ise». Also Krise und Kreise. In elliptischen Bewegungen zirkulieren die vier Angehörigen einer Familienbande umeinander, wie Satelliten um ihre Planeten, allerdings in wechselnden Konstellationen. Und auch wenn keine Sonne scheint.
Das «Außerkraftsetzen der Endkrise durch die...
