Kindheit in a-Moll
«I’m taking a ride with my best friend. I hope he never lets me down again.» Diese voll Verzweiflung glühenden Depeche-Mode-Zeilen sind so etwas wie das Leitmotiv dieses düsteren Theaterabends voller Vampire, müffeliger Provinz. Hier leben zwei Kinder in einer Umgebung, in der Gewalt zwar nicht dominant, aber doch allgegenwärtig ist – ebenso wie das Schweigen darüber. Und auch die beiden Protagonisten, soviel sei vorausgeschickt, taugen sich gegenseitig nicht als unverbrüchliche Anker.
Wie zwei Vampire in schwarzem Grufti-Outfit steigen Cara-Maria Nagler und Andreas Hammer aus der flachen Bühne im Foyer des alten Theaters in Dessau. Sie stemmen den Bühnenboden auf, in dem überall Kohlen lagern, und lassen bei Bedarf die Bühnenplatten laut krachend nach unten fallen. Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Brandstätter setzt ebenfalls auf klare Motive: die Kohle unterm Dorf, das Bild der Vampire.
Diese finden sich reichlich im Roman «Monster wie wir», der hier zur Uraufführung kommt. Er stammt von Ulrike Almut Sandig, ist 2020 erschienen und erzählt in zwei großen und zwei kleinen Teilen die Geschichte von Ruth, ihrem Bruder Fly und dem Kinderfreund Viktor. Regisseurin Katrin Plötner hat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2022
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Torben Ibs
Im Nürnberger Museum für Kommunikation kann man die Schauspielerin Julia Bartolome auf einer riesigen Leinwand stumm sehen. Sie macht da Miene zu den verschiedensten Stimmungen, zu denen der Mensch, wenn er sich nonverbal ausdrücken möchte, fähig ist. Sie hat Angst, freut sich, trauert, ist überrascht, wütend, sie ekelt sich und verzerrt ihre Züge vor Schmerz. Ein...
BERLIN, AKADEMIE DER KÜNSTE
bis 13.3. (Finissage)//Erich Wonder T/Raumbilder für Heiner Müller
Mitte der 1970er Jahre trafen der Autor Heiner Müller und der Bühnenbildner Erich Wonder am Schauspiel Frankfurt zum ersten Mal aufeinander. Die Ausstellung präsentiert diese Arbeitsprozesse in Gemälden, großformatigen Aquarellen, Zeichnungen, Übermalungen und Fotografien...
Auf der Pfauen-Bühne steht ein Fließband, das Symbol entfremdeter Arbeit schlechthin. Nils Kahnwald bricht eine weiße Substanz in backsteingroße Brocken, diese wandern in einen großen Aluzylinder und von dort aus verflüssigt in verschiedenfarbige Zapfstationen. Im Verlauf der Aufführung füllt das Ensemble nebenbei immer mal wieder kleine Portionen daraus in kleine...
