Die jungen Wilden, die Alten und die Erinnerung
Schon wieder ein Buch, das töten kann. Es ist 735 Seiten dick (siebenhundertfünfunddreißig). Es heißt «Neunzehnsechsundneunzig bis Zweitausendundsechs», schlichtes Schwarz auf schlichtem Weiß. Todesanzeige. Nahkampftauglich für Freunde des Hammerwerfens. Es umfasst die zehn Jahre, die Intendant Michael Schindhelm auch im Theater Basel weilte. Oper, Tanz, Schauspiel. Für letzteres zählen acht Spielzeiten. In der Oper wurde der Aufbruch abgebrochen, als Albrecht Puhlmann ging. Im Tanz, als Joachim Schlömer die Stadt verließ.
Im Schauspiel ist erst jetzt Zeit für eine Rückschau, die für den Schauspielkritiker auch etwas Nabelschau bedeutet.
Die Rückschau hätte ein Nachruf werden sollen. Voller Wehmut auf eine Zeit, die der Deutschschweiz viel Beachtung schenkte. Weil Stefan Bachmann 1998 mit 32 Jahren das Basler Schauspiel wieder auf die Karte setzte. Weil Barbara Mundel ein Jahr später Luzern überhaupt in Erinnerung rief. Weil Christoph Marthaler und Stefanie Carp in Zürich ab 2000 das Schauspielhaus in eine neue Zeit führten. Weil man als kleiner Kritiker viel Futter auf kleinem Raum fand und in den Zeitungen Platz. Und weil jetzt in Basel die letzten dieser Zeit gehen: Lars-Ole ...
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Vorbemerkung
Ich kann mir kein geeigneteres Forum als dieses Bonner Festival vorstellen, um über alte und neue Blicke des Westens auf Indien nachzudenken. Schließlich begann Europa in Bonn, auch bekannt als Benares am Rhein, ein systematisches Wissen über Indien zu entwickeln. Und zur Biennale sind Hunderte von Indern nach Bonn gereist, um die Vielfalt und...
Das Meer ist unergründlich und endlos weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theaterstück «Sommertag». Auf drei dominanten Prospekten hat Monika Gora (Bühne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der...
