Geschichte von unten
Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Kinderarbeit in großem Stil betrieben wurde, weiß man spätestens durch Jo Baiers herzerschütterndes Fernsehdrama «Schwabenkinder» aus dem Jahr 2003: Seit dem 18.
Jahrhundert zogen jedes Frühjahr Hunderte von kleinen Wanderarbeitern auf beschwerlichen Wegen übers Gebirge, um sich auf den Kindermärkten in Ravensburg oder Wangen an reiche Bauern zu verdingen. Ein hungriger Esser weniger am Tisch und dafür auch noch Geld in der Haushaltskasse – für die verarmten Familien aus den Tiroler Bergtälern war der Verkauf der Kinder oft die einzige Möglichkeit zu überleben, für die florierende schwäbische Landwirtschaft eine willkommene Quelle billiger Arbeitskräfte und – aus heutiger Sicht – ein Stoff für kernig-sozialkritische Geschichtsbewältigung im ambitionierten History-Format.
Nicht so im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Transportschaden
Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin nutzte eine Diskussionsveranstaltung des Berliner Theatertreffens, um unter Verweis auf weiteren Spardruck die besonderen künstlerischen Potentiale der Hauptstadtkultur hervorzuheben: Man könne auch in einer Stadt ohne Theater leben, und wenn es denn unbedingt sein müsse, halt ein Bahnticket kaufen: «Wenn...
Nichts mischt eine abgelaschte Party so auf wie der Einbruch des echten Lebens. Auf einer Dachterrasse bemühen sich fünf Leute (zwei Paare und ein Single) vergeblich um Geselligkeit und finden erst zusammen, als das nachbarliche Ehepaar bei offenem Fenster (und Licht!) übereinander herfällt – das ist die Situation von Meike Haucks Stück «Hund frisst Gras».
Die...
So sehen pubertäre Träume aus: Die eigene Mutter vor einer großen Menschenmenge bloßstellen mit bohrenden Fragen nach ihrer Kindheit im Nationalsozialismus; auf ein monströses Eisernes Kreuz steigen und mit gestrecktem Arm «Heil Hitler!» ins Volk brüllen; und schließlich mit der Macht des Mikrofons ausgestattet raunende Welt- und Selbsterklärungen an staunende...
