Geschichte von unten
Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Kinderarbeit in großem Stil betrieben wurde, weiß man spätestens durch Jo Baiers herzerschütterndes Fernsehdrama «Schwabenkinder» aus dem Jahr 2003: Seit dem 18.
Jahrhundert zogen jedes Frühjahr Hunderte von kleinen Wanderarbeitern auf beschwerlichen Wegen übers Gebirge, um sich auf den Kindermärkten in Ravensburg oder Wangen an reiche Bauern zu verdingen. Ein hungriger Esser weniger am Tisch und dafür auch noch Geld in der Haushaltskasse – für die verarmten Familien aus den Tiroler Bergtälern war der Verkauf der Kinder oft die einzige Möglichkeit zu überleben, für die florierende schwäbische Landwirtschaft eine willkommene Quelle billiger Arbeitskräfte und – aus heutiger Sicht – ein Stoff für kernig-sozialkritische Geschichtsbewältigung im ambitionierten History-Format.
Nicht so im ...
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Der Generationskonflikt wird schon lange nicht mehr an der Musik- und Modefront ausgetragen, sondern in den technologischen und virtuellen Tiefen von Comic- und Computerkultur. Denn dort ist die Jugend vor den Erwachsenen noch sicher. Und zwar allein deshalb, weil Erwachsene ihr in diese komplex strukturierten Welten mangels entsprechender Kenntnisse und...
Am Anfang wird ein Kinderwagen auf die Bühne geschoben. Am Ende wird eine Tote von der Bühne getragen. Dazwischen liegt ein neues Stück von Jon Fosse, das auch «Das Leben in neunzig Minuten (leicht gekürzt)» heißen könnte. Die Handlung von «Schlaf» ist schnell erzählt: Ein junges Paar bezieht eine Wohnung, in der es Kinder großzieht, alt wird und schließlich...
Anfang Mai konnte man den Eindruck gewinnen, ein für alle Glaubensrichtungen zuständiger oberster Gott habe einen gewissen Hang zum Theater und für die Inszenierung eines seiner Dokudramen Israel als Bühne erwählt. Es ging natürlich nicht um Lessings Ringparabel, dafür aber im kleinen Städtchen Shafa-Amer um ein Pantomimefestival. Shafa-Amer liegt im Norden des...
