Die individuelle Systemfrage

Falk Richter möchte die Narrative ändern

Theater heute - Logo

Vieles fühlt sich für mich nicht wie «Verzicht» an, sondern eher wie eine Serie von Entscheidungen für ein stressfreieres und gesünderes Leben. «Verzicht» ist ein Wort, das vielen Menschen Angst macht. Die Diskussion um ein klimagerechteres Leben wird meist so geführt, als wäre unser Wohlstand und unser sorgenfreies Leben in Gefahr. Dabei verzichten wir schon heute auf sehr viel: auf gesunde Luft zum Beispiel. Auf eine intakte Natur. Auf sichere Straßen ohne Freiheitsraser und stundenlange Staus.

Auf Sommer ohne Dürre, ausgetrocknete Flüsse, Ernteausfälle, Waldbrände und sturzflutartige Überschwemmungen. Auf eine empathische, liebevolle Beziehung mit den nichtmenschlichen Bewohnern dieses Planeten. Auf gesunde Nahrung und somit auf unsere eigene Gesundheit. Auf unzählige Tierarten, die gerade massenhaft aussterben. Wir verzichten unentwegt auf ein gesünderes, nachhaltigeres Leben, das möglich wäre, wenn die politischen Entscheidungsträger:innen die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen würden. Ich würde sehr gerne auf vieles verzichten, wenn es dazu beiträgt, ein annehmbares Leben für zukünftige Generationen auf dem Planeten zu sichern. Aber es ist gar nicht so einfach, ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 67
von Falk Richter

Weitere Beiträge
Ein gewaltiges Fuck you an den Tod

2023 werden voreilig «postpandemische Zeiten» ausgerufen, und daher erscheint Marcus Peter Teschs neues Stück genau zur richtigen Zeit. Während alle Welt sich noch mit künftigen Pandemien in Folge des Corona-Virus beschäftigt und sich im Glauben wiegt, für kommende Pandemien besser gewappnet zu sein, lenkt Tesch den Blick auf eine andere Pandemie. Seit 1983 ist...

Wo bleibt der Bus zum Happy End?

Ein Nicht-Ort: eine trostlose Haltestelle, eine kaputte Ampel und ein heruntergekommener Imbiss. Natürlich mit Nieselregen. Eine beliebige Kreuzung in einer beliebigen Stadt wie, sagen wir mal, Oberhausen. Nirgendwo und überall zugleich.

Im Imbiss sitzen die drei Frauen* Luca, Carla und Linn, die sich im Maschinenraum der Psyche oder auch dem Kraftcenter der Krise...

Raum des Mehr

Wir muten uns dem Planeten, der Natur, allen anderen Lebewesen so gnadenlos zu, dass ein persönlicher Verzicht eigentlich gar keine Kategorie mehr sein kann. Wir greifen nach immer mehr, wollen immer mehr Macht in allen Bereichen. Wir richten uns in immer höheren Ansprüchen ein, deren minimale Reduzierung uns dann schon als Opfer erscheint. Wirklicher Verzicht...