Die Großtaten des TAT
Bis heute, ein Dutzend Jahre nach dem finalen Ende, macht es in Frankfurt einen Unterschied, ob man die Tage des TAT miterlebt hat oder nicht. Dieses Theater hat das Bewusstsein der Interessierten dieser Stadt tiefgreifend und nachhaltig geprägt, verändert, beeinflusst, ihr Kunstverständnis, ihre institutionelle Kompetenz, ihre Unabhängigkeit. Heiner Goebbels etwa könnte man als Kind des TAT beschreiben. Auch Hans-Thies Lehmann ist ein Spross dieses Theaters.
Beide haben zum vorliegenden Band, dem ersten über das TAT, beigetragen, beide auf typische Weise: Lehmann mit einem kundigen Überblicksartikel über die Geschichte (den es schon auf Französisch gab), Goebbels mit einer kleinen Anekdote, die elegant die gesamte Zeit umfasst – 1974, mitten zwischen Hausbesetzern, sieht der junge Heiner im TAT eine offenbar ziemlich umwerfende Queer-Veranstaltung: «Auf der Bühne zwei füllige Sängerinnen in Wurstpellen – die New Yorkerin Tally Brown aus dem Umkreis von Andy Warhols Factory, Evelyn Künneke aus Berlin mit ihrem legendären ‹Allerdings, sprach die Sphinx, rück’ das Dings mehr nach links, und dann gings› –, Rosa von Praunheim als Moderator im Glitzeranzug und Dietmar Kracht, sein ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Peter Michalzik
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