Der sanfte Pyromane
Er war ein Kind, ein Kindskopf, ein Lausbub, ein Seiltänzer, ein Traumtänzer, ein Menschenverhexer, ein Spieler und Theaterlüstling, ein Glückspilz, ein Genießer der einfachsten und feinsten Speisen, der auf keinen Gourmetführer angewiesen war, aber ein absolut kompetenter Gourmetführer hätte sein können, ein wahrer Kenner der Weine, ein Kunstsammler, Museumskurator und wissender Freund der Maler und Bildhauer, einer, der einem beiläufig beizubringen vermochte, was nötig zu wissen ist, einer, der dem Perfektionswahn nicht erlag, weil er mit einem knappen «Also gut» oder in seine
r ganz eigenen Sprache mit einem «Zoing, Zoing, Zoing» die Sache weitertrieb, einer, der die Liebe in allen Freuden und Schmerzen erlebt hatte und immer wieder erleben wollte, ein melancholischer Clown und feinsinniges Schlitzohr, kurzum: ein philosophierender Lebenskünstler – nein, der vollbrachte kein Lebenswerk, er war ja das Leben selbst.
Obendrein war dieser Wunder- und Teufelskerl ein Innerschweizer; er kam aus der berühmt-berüchtigten Gemeinde Siebnen im Kanton Schwyz. Die Siebner haben es nämlich faustdick hinter den Ohren, und es kann lebensgefährlich sein, sie zu unterschätzen. Vor allem beim ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Nachruf, Seite 38
von Hermann Beil
Aachen, Theater
9. Lachmann, Krumbein und Wilmington, Unnützes Wissen – Eine szenisch-musikalische Revue-Collage im Geist der Aufklärung (U)
R. Malte C. Lachmann
10. Giraudoux, Die Irre von Chaillot
R. Ewa Teilmans
23. Breuer und Zeppenfeld, Lokal Europa. Ein Planspiel über globale Systeme, lokale Nachbarschaft und afrikanische Hühner (U)
R. Dominik Breuer
Aalen,...
The Show Must Not Go On»: Was Tim Etchells am Ufer des Zürichsees als Leuchtschrift auf ein schwindelerregendes Gerüst montiert hat, ist Programm im diesjährigen «Speki»: So tun als ob, geht nicht. Einfach eine Schrumpflösung des geplanten Pro- gramms wäre nicht umzusetzen gewesen. Das Zürcher Theaterspektakel ist gewöhnlich die Quintessenz der...
Der beste Moment in Pauls Leben, jedenfalls wenn es nach seiner Erzählerin Sibylle Berg geht, war der, als er sich mit 15 in einen Mitschüler verliebt hat. Eine Nacht im Zelt am See – das muss genügen. Was davor und danach kam, ist das Durchschnitts-Unglück des mittleren Angestellten ohne besondere Eigenschaften: «Dieses Wissen, nichts zu können / die Ahnung,...
