Die Gewalt des Urplötzlichen

oder Fermentiertes Theater im schicksalhaften Rausch des Digitalen

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Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer geht in die Knie vor diesem ganzen digitalen Angebot.

Die Welt verändert sich, welch eine Erkenntnis, und, um die Plattitüde zu vollenden, sie verändert sich nun «MIT UNS» wie auch «OHNE UNS» – will sagen: Wann kommt denn endlich die mächtige letzte Erregungswelle, die unsere Straßen der Abrissbirne Natur preis gibt? 

In den liberalen «WIR-KÖNNEN-ALLES-THEATERN» werden dazu schon die Szenarien entwickelt, und die nicht trocknen wollende Tinte fließt durch die Drucker und verwandelt sich in 0 und 1.

überleben im unpolitischen Raum gehetzt vom liberalen ALLES-Können

Ja – naja – der Tod. Ja der Tod – nicht mehr nur deiner und meiner – nein unser aller ... «Wir sterben – wir sterben! Und was dann?» (Dostojewski) Der Tod eine analoge Farce.

das analoge Gedächtnis bleibt ein Horizont unmöglich ins Unendliche einzutreten ...

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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 94
von Sebastian Hartmann

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