Die Gespenster sind wir

Thomas Köck «Eure Paläste sind leer (all we ever wanted)»

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Am 6. Januar 2021 gingen plötzlich verstörende Bilder um die Welt: Marodierende Proud Boys zogen durch die Flure des Capitols. In den letzten Jahren entwickelte sich eine ganze Ikonografie von Bildern, die aus verschiedenen Perspektiven den Gedanken aufwerfen, dass unsere Art zu leben ganz und gar nicht alternativlos sein könnte und mithin die sie repräsentierenden Institutionen und Architekturen ebenfalls grundsätzlich in Frage stehen könnten.

Das mochte im Fall der Szenen von Washington beängstigen, es mochte nachdenklich stimmen, als sich die Tiere während des ersten Corona-Lockdowns plötzlich wieder die Innenstädte von Venedig oder Madrid eroberten. All diese Bilder zeugen im Umkehrschluss davon, dass die gegenwärtige Beschaffenheit unseres Systems nicht unabänderlich ist.

Thomas Köck, der zweifache Mülheim-Preisträger, der bereits mit seiner monumentalen «Klima-Trilogie» auf vielen verschiedenen Ebenen über den drohenden Kollaps unseres Systems nachdachte, thematisierte später in Werken wie der «Kronlandsaga» die Gefährdungen der Demokratie durch die Neue Rechte. Zuletzt verband er in seiner Adaption des Antigone-Stoffs den Mythos mit einer beißenden Kritik an der ...

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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Tobias Schuster

Weitere Beiträge
Uraufführungen und Deutsche Erstaufführungen 2021/22

Uraufführungen

A
Nora Abdel-Maksoud
Cortison (Maxim Gorki Theater Berlin)
Jeeps (Münchner Kammerspiele)

Frank Abt und Natalie Driemeyer
Good. Better. Greta. (Hans Otto Theater Potsdam)

Cihan Acar
Hawaii (Theater Heilbronn)

Emre Akal
Hotel Pink Lulu – Die Ersatzwelt (Schauspiel Leipzig)

Adriana Altaras
Doitscha (Theater Bremerhaven)

Thomas Arzt
Taumel und Tumult...

Alle!

«Einfach das Ende der Welt» – dieser Titel könnte in jüngster Zeit auch andere Assoziationen wecken, als Jean-Luc Lagarce 1990 im Sinn hatte. Der 1995 an Aids gestorbene französische Dramatiker erzählt in seinem Theaterstück «Juste la fin du monde» die Geschichte des todkranken Künstlers Louis, der nach jahrelanger Abwesenheit zu Mutter und Geschwistern in die...

Mutterseelenallein

Am 6. Februar 2017 betritt Christine nachmittags einen Supermarkt. Neun Monate war sie trocken. Bei dem Versuch, eine Flasche Wodka aus dem Getränkeregal zu holen, stirbt sie an einer Gehirnblutung. Im Moment ihres Todes lässt Christine ihr Leben Revue passieren. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in der nordenglischen Provinz, träumte sie davon, Rudolf Nurejew zu...