Die Gespenster sind wir
Am 6. Januar 2021 gingen plötzlich verstörende Bilder um die Welt: Marodierende Proud Boys zogen durch die Flure des Capitols. In den letzten Jahren entwickelte sich eine ganze Ikonografie von Bildern, die aus verschiedenen Perspektiven den Gedanken aufwerfen, dass unsere Art zu leben ganz und gar nicht alternativlos sein könnte und mithin die sie repräsentierenden Institutionen und Architekturen ebenfalls grundsätzlich in Frage stehen könnten.
Das mochte im Fall der Szenen von Washington beängstigen, es mochte nachdenklich stimmen, als sich die Tiere während des ersten Corona-Lockdowns plötzlich wieder die Innenstädte von Venedig oder Madrid eroberten. All diese Bilder zeugen im Umkehrschluss davon, dass die gegenwärtige Beschaffenheit unseres Systems nicht unabänderlich ist.
Thomas Köck, der zweifache Mülheim-Preisträger, der bereits mit seiner monumentalen «Klima-Trilogie» auf vielen verschiedenen Ebenen über den drohenden Kollaps unseres Systems nachdachte, thematisierte später in Werken wie der «Kronlandsaga» die Gefährdungen der Demokratie durch die Neue Rechte. Zuletzt verband er in seiner Adaption des Antigone-Stoffs den Mythos mit einer beißenden Kritik an der ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Tobias Schuster
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