Was bedeutet Heimat?
Andreas Klaeui Jean-Luc Lagarce ist in Frankreich Abiturlektüre, im deutschsprachigen Raum aber noch wenig bekannt; sein Stück «Einfach das Ende der Welt» kam 1990 heraus: Wie sind Sie auf diesen Stoff gekommen?
Christopher Rüping Es hat eine Vorgeschichte. «Früchte des Zorns», unsere erste gemeinsame Arbeit im neuen Team am Schauspielhaus, war eine Geschichte von Fliehenden: Menschen am Existenzminimum im US-amerikanischen Mittelwesten, die wegziehen, um zu überleben.
Für uns war dabei eine Riesenfrage, ob wir, in unserer privilegierten Situation, diese Geschichte überhaupt erzählen können, und wie? Nach dieser Erfahrung suchten wir nach einem Stoff, bei dem wir nicht so sehr um die Ecke denken, spielen, fühlen mussten. Eins der Themen, die sich dafür anboten, war das der Familie. Das konkrete Stück hat uns die – sehr frankophile – Dramaturgin Katinka Deecke vorgeschlagen. Ich kannte den Film von Xavier Dolan und wusste: Das ist genau die Geschichte, die wir suchen. Die Lektüre hat uns dann ein wenig ernüchtert. Im Originalstück klingt, jedenfalls im Deutschen, vieles nach Kunstanstrengung. Deswegen brauchte es noch einige weitere Schritte, bis wir uns Lagarce’ Stoff gänzlich zu ...
MAJA BECKMANN, geboren 1977 in Herne, ist nach Stationen am Bochumer Schauspielhaus 2002–2005, am Staatstheater Stuttgart 2013–2015 und an den Münchner Kammerspielen 2016–2019 seit der Spielzeit 2019/20 festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich
CHRISTOPHER RÜPING, geboren 1985 in Hannover, war von 2016–2019 Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen, wo unter anderem Inszenierungen wie «Trommeln in der Nacht», «Dionysos Stadt» und «Im Dickicht der Städte» entstanden. Zur Spielzeit 2019/20 wechselte Rüping als Hausregisseur ans Schauspielhaus Zürich
BENJAMIN LILLIE, geboren 1985 in Siegburg, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater «Felix Mendelssohn Bartholdy» in Leipzig. Nach Engagements am Centraltheater Leipzig 2010–2012 und am Deutschen Theater Berlin 2013–2019 ist er jetzt Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 107
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Die Pandemie und der Lockdown mit dem vielfachen Streamen von abgefilmtem Theater haben der Weiterentwicklung des «Digitalen» an der Bühne möglicherweise einen Bärendienst erwiesen. Seit Jahrzehnten arbeiten wir Videokünstler und Videokünstlerinnen mithilfe des Einsatzes innovativer digitaler Technologie mit Hingabe, großer Sorgfalt und Präzision an der Akzeptanz...
Digitales Theater ist genau genommen kein Theater. Es ist ein seltsamer Hybrid, eine Kreuzung aus Film und Theater, an dessen Erforschung und Entwicklung an allen Theatern Europas gerade fieberhaft gearbeitet wird. Mit offenem Ende. Dabei ist ein Paradox offensichtlich: Die Digitalisierung entfernt die zwei Haupt-Protagonist:innen des Theaters – also Bühne und...
Das absolute Fundament von Theater und auch der große Unterschied zum Kino, Fernsehen, Streaming ist die mehrdimensionale Rezeption dessen, was sich auf der Bühne abspielt. Die momentanen Sinneswahrnehmungen von Spieler:innen und Publikum treffen simultan aufeinander und sorgen für ein exklusives Erlebnis. Niemand vor und nach genau dieser einen Vorstellung wird...
