Die Generalin

Shakespeare «Othello»

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Allüberall steht er auf dem Spielplan, Shakespeares venezianischer Mohr. Das Stück über die Eliminierung des Fremden passt scheinbar gut zur Aufregung um dänische Mohammed-Karikaturen, eine Regensburger Papstrede und, jüngst, zur LKA-Warnung, die in Berlin zur Absetzung der Oper «Idomeneo» führte. Die Angst, sich unbeliebt zu machen bei den gefährlichen muslimischen Brüdern, geht um. Erst die Angst, dann womög­lich die Gegenwehr? Werden wir ein Volk von Jagos? Türken raus?
Ein Kurzschluss.

Othello ist bei näherer Betrachtung das genaue Ge­genteil eines gewalttätigen Fremden – bestens assimiliert, ein Konvertit, der Karriere gemacht hat, der Colin Powell des Welttheaters. Jagos Vernichtungs­feld­zug gegen seinen Vorgesetzten speist sich aus Rassismus so wenig wie aus Angst, sondern aus der blanken Lust eines Zurückgesetzten an der Intrige. Das politische Aktualisierungspotenzial des Stückes hält sich in Gren­zen; Lars-Ole Walburg lässt sich in Hannover denn auch auf aktuelle Debatten kaum ein. Das Drama ist ihm Spielmaterial und sonst gar nichts.
Sein Spielmacher ist ein frei hinzuerfundener Engel. Jovial begrüßt der halbnackte fette junge Mann mit hüftlangem Strähnenhaar und weißen ...

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Theater heute November 2006
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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